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Die Moral und Politik der Jesuiten nach den Schriften der vorzüglichsten theologischen Autoren dieses Ordens
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schon ein Frevel sei, die Versuchung solchen Raum gewinnen zulassen, daß sie wild zur verbotenen That hinreißt und jede Über-legung tödtct, daß es schon eine bedeutende sittliche Verderbtheitund Sündhaftigkeit voraussetzt, das Böse blind und ohne Re-flexion zu begehen, das ist den Ehrwürdigen nie eingefallen.

Und nun ihre Definition von Freiwilligkeit des Han-deln, die wir soeben bei Bauny, Annat und Le Moine gesehenhaben! Also um freiwillig zu handeln, ist es nicht genug, zuwissen, was man thut, und daß man cs thue, man soll übcr-dicß noch genau sich bewußt sein, was in der Handlung Gutesoder Böses sei. In der That, auf diese Weise gibt cs selten einefreiwillige Handlung, weil die meisten Menschen, wenn sie eineböse That begehen, keine solche Reflexion anstcllen. Nach dieser jesui-tischen Weise werden tausende von schlechten Handlungen, Saufe-reien , Flüche, Zorn, Wuth, Ausschweifungen der Liederlichkeitzu unfreiwilligen Handlungen gestempelt und von der Sünderein gewaschen, eben weil man über ihre Sündhaftigkeit vorherkeine Betrachtungen eingestellt hat.

Und nun die obigen Ansichten von Annat und Le Moine!Gerade die schrecklichsten Sünder, die cs in der Bosheit amweitesten gebracht haben, sind nach jenen Vätern die reinsten.Denn wie viele Menschen gibt es nicht, die so im Bösen ver-härtet und verwurzelt sind, daß sie niemals mehr an Gott den-ken. Sie gebrauchen auch niemals ihre Vernunft, folgen nurihrer Sinnlichkeit. Ihr Gewissen ist so abgehärtet, daß sie nie-mals dessen warnende Stimme mehr vernehmen, nie sich ihrerSchwachheit und Verderbtheit bewußt werden, nie an den Arztdenken, der sie heilen könnte, und auch nie ein Verlangen haben,sich an ihn zu wenden um Heilung. Nach Le Moines undAnnat's Ansicht sind sie, wie im Stande ihrer ersten Unschuld;haben sie ja stets gesündigt, ohne je an Gott, an sein Gebot zudenken; haben sie ja nie Reue gehabt und ihre Schändlichkeitsich zum Bewußtsein gebracht, haben sie ja nie daran gedacht,daß sie Gott lieben und sich bessern müßten; haben sie ja nieBuße gethan. Dicß ist es ja eben, was ihren Sünden dieSündhaftigkeit nimmt. Jeder Christ wird freilich an ihrem See-lenheile verzweifeln, oder doch wenigstens besorgt darum sein,aber nach der Ansicht der Ehrwürdigen ist ja eben ihre Vollkom-