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Die Moral und Politik der Jesuiten nach den Schriften der vorzüglichsten theologischen Autoren dieses Ordens
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Die Sünde entspringt nicht aus der einzelnen sündigen Hand-lung, sondern sie ist begründet in jenem Zustande des innerenMenschen, wo sein Herz, von Gott und der Tugend abgewandt,sich der Welt und ihren Lüsten hingegeben hat. Die einzelnenSünden sind bloß die äußeren Offenbarungen eines solchen Zu-standes, die nicht stattgcfunden haben würden, wenn jener Zu-stand nicht da wäre. Wenn es nun auch viele unerlaubte Handlungengibt die nicht aus einem solchen unglücklichen Zustande der Seele,sondern aus wirklicher Unwissenheit und Unachtsamkeit entstehen,also eben deßhab des Charakters einer schweren Sünde entbehren,so wird doch keiner läugnen, daß diejenigen Menschenkrcise, fürwelche die Jesuiten ihre Bücher schrieben, vermöge des christ-lichen Unterrichtes, sich selten in dem Falle befinden würden,Mord, Meineid, Diebstahl, Gottesläugnung, Hurerei, Ehebruch,Selbstbeflcckung mit Unwissenheit im göttlichen Gesetze entschul-digen zu können. Die Jesuiten haben cs gerade darauf abge-sehen, den Menschen das Sündigen leicht zu machen und dieGewissen einzuschläfern. Dcßhalb abstrahiren sie von demjenigenverderbten Zustande der Seele, aus dem die Sünden wie Pilzesprossen, und halten sich an die einzelne That. Und da habensie leichtes Spiel, wenn sie sagen, diese sei jedesmal unsündlich,wenn nicht eine volle Advertenz, ein volles Bewußtsein derSündhaftigkeit und Bosheit hinzutrete. Das ist aber ein Un-sinn. Nach Bauny und Escobar, die wir oben reden hörten,sind die größten Frevel leicht zu entsündigen. Z. B. Jemandgeht in eine Gesellschaft, beginnt zu poculiren, besäuft sich all-mählich, verliert Besinnung und Vernunft, prügelt Andere, hurtund flucht. Das ist nach den Ehrwürdigen keine Sünde. Es-cobar spricht den Begehenden ausdrücklich frei. Aber auchso: Jemand wird von fleischlicher Lust versucht; er findet schnelleine Gelegenheit, sie zu befriedigen, und stürzt sich in den Genuß,ohne in der Glut der Begier einen einzigen Moment zur Re-flexion über das Sündliche der That zu gewinnen. Nach denAnsichten der frommen Väter ist das gar keine schwere Sünde;die Kraft der Versuchung hat seine Vernunft ja umnebelt undden Verstand gelähmt, daß er nicht advertiren kann. Daß es

2 Z) Lseob. eie. 13. l. e. n. L6. p. 276-