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Die Moral und Politik der Jesuiten nach den Schriften der vorzüglichsten theologischen Autoren dieses Ordens
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206
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A)6

gendcs vor: 1) wird ihr von Gott etwas Liebe eingeflößt, wo-durch sie geneigt gemacht werde, das Befohlene zu thun; 2) jn-spirirt ihr Gott das Bewußtsein ihrer Schwachheit, die Kennt-niß ihres Arztes, das Verlangen, geheilt zu werden und dieNeigung, seine Hülfe anzuflehcn; 3) wenn die Seele aus Stolzverschmäht, zum Gebete sich zu wenden und zum Arzte ihre Zu-flucht zu nehmen, dann wird sie verlassen sein und das Gebotübertreten und sündigen.Wenn dieß Alles in der Seele nichtvorgeht, so ist eine Handlung nicht feindlich und kann nicht zu-gerechnet werden, wie Le Moine weitläufig nachweiset.

18) Auch Bauny erklärt sich in ähnlicher Weise. Damiteine Handlung frei sei, muß derjenige, so sie thut, schon er-kennen und einschen, was in ihr Gutes und Böses liegt. Frei-willig ist, um mit Aristoteles zu reden, dasjenige, was von ei-nem Principe herrührt, welches die besonderen Eigenschaften einerHandlung kennt. Wenn also der Wille ohne Ueberlegung, ohnereifliche Erwägung Etwas begehrt oder verabscheut, thut oderuntcrläßl, che der Verstand hat untersuchen können, ob cs bösesei cs zu thun oder zu unterlassen: so ist eine solche Handlungweder gut noch böse, weil, ehe der Verstand diese Untersuchungüber die Güte oder Schlechtigkeit einer Handlung nicht anstcllt,die Handlung nicht freiwillig, also keine Sünde ist.

19) Auch Escobar theilt diese von seinen Collegcn gelehrtenJrrthümer, indem er zu einer schweren Sünde erfordert das voll-kommene und ausdrückliche Bewußtsein der Bosheit der Hand-lung, oder wenigstens einen Zweifel in Betreff derselben. Denn,wenn sich Jemand nicht bewußt wird, daß das, was er begeht,Sünde oder Sündcngcfährlichcs sei, oder nicht förmlich Zweifelhegr, so nimmt man an, er leide an unüberwindlicher Unbe-wußtheit, die nicht minder von der Sünde losspricht, als un-überwindliche Unwissenheit.

Verweilen wir bei diesen Ansichten der ehrwürdigen Väterund ziehen daraus die sich einem Jeden von selbst aufdringendenFolgerungen.

2») I»e kleine bei Pascal in den teures provinciales , wo die Stelleim Originale abgedruckt ist. ri) Laun)- I. c. 22) Lseob. Ir. II. et 1 -c. 3. n. 8- p- 266»