Gebotes nicht in das Ohr seiner Seele dringen konnte. DieJesuiten aber sind anderer Meinung; sie haben den Begriff jeneriAnorantiil invineidilis so weit ausgedehnt, daß cs wenige Sün-den mehr gibt, die durch selbe nicht zugedeckt werden könnten.Wir wollen dieß aus den Casuisien beleuchten, ohne uns strengan eine wissenschaftliche Ordnung zu binden, die auch bei ihnennicht zu suchen ist.
3) Salas sagt: Die Unwissenheit dessen ist unbesiegbar,
der sich dieser oder jener Verpflichtung gar nickt unterworfenglaubt; welchem gar nicht in den Sinn kam, daß er in dieselbewirklich verfallen könne; oder welcher zwar über die Sacke eini-gen Zweifel gehegt, aber doch keine ihm obliegende Pflicht er-kannte, oder, falls dieß auch war, sie doch nach dem Probabi-lismus nur für eine leichte hielt; oder endlich derjenige, so glaubte,es sei ihm unmöglich, darauf alle erforderliche Sorgfalt wendenzu können. Dieß ist eben so bei demjenigen der Fall, der/nachdem er Alles gethan hat, was er vermochte und sollte, den-noch seiner Unwissenheit sich nicht entledigen konnte, sondern ne-gativ oder selbst positiv und zwar auf einen ihm probabelscheinenden Grund hin ') darin verharrte; seine Ignoranzist moralisch unbesiegbar und auch probabel zu nennen." *)
Wie nun die Jesuiten eine solche unüberwindliche Unwissen-heit verstehen, das sollen einige Beispiele erläutern.
4) Marin sagt: Wenn der Beichtvater mit Wahrschein-lichkeit schließen und glauben kann, daß seine Erinnerungen ohneWirkung sein werden, so ist er gehalten, zu schweigen, selbstwenn die Sünde, von der es sich handelt, eine fortdauernde,den Nächsten verletzende wäre; z. B. der Beichtende treibt Wucherund steht in dieser Beziehung in unbesiegbarer Unwissenheit (aberdie soll der Beichtvater durch Belehrung ja heben) — so daß ernicht cinsieht, was ihm andere, die er schon um Rath gefragthat, sagten. Der Beichtvater sieht, daß seine Ermahnungenohne Erfolg sein werden, und daß er den Beichtenden nicht be-wegen werde, von der Sünde des Wuchers abzulassen und Er-
4) Was das sei, sahen wir oben; ein solcher probabeler Grund istNichts, als ein Gewissens-Schlaftrunk, s) Salas. lieber Thomas von Aqm'n.Uect. I. 8sct. 3. clos>. 4 4rt. 6. iue. 8 n 6.