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ließen sich erst bezahlen, so daß nur die Reichen den goldenenSchlüssel zu diesem unendlichen Gnadenschatze hatten? Es liegtin dem gesammtcn Meßstipendien-Wescn etwas Unwürdiges, Ir-religiöses und auch ein großer Widerspruch. Denn wenn Chri-stus die ganze Welt erlöset hat durch seinen Opfertod am Kreuzeund das Meßopfer die unblutige Wiederholung jenes Opfertodesist: wie sollten nicht alle Gläubige an den Früchten der MesseTheil haben, ohne ihren Antheil zuerst zu erkaufen? Wahrlich,die Armen wären zu bedauern, die keine Messen bezahlen kön-nen, und — cs ist entsetzlich — nun die Qualen des Fegfcuers,bis sie den letzten Heller gebüßt haben, aushalten müssen, wäh-rend der Reiche durch bezahlte Messen sich daraus befreien kann.Und wenn nun nach der Lehre der katholischen Kirche eineMesse schon einen unendlichen Werth hat: wozu dann diese un-zähligen Messen? wie albern und entwrüdigend die Vorstellung,jenen unendlichen Werth für ein paar Groschen einem Einzigenzuzuwendcn?
1) Die Jesuiten haben mitunter vernünftige Ideen über dieMesse gehabt. Escobar sagt, cS sei wahrscheinlich, daß einPriester im Jahre nur drei- oder viermal Messe zu lesen verbun-den sei, wenn es ohne seinen geistlichen Schaden und ohneAcrgerniß geschehen könne; täglich Messe zu lesen sei kein Prie-ster verpflichtet. ")
Bauny spricht dieselbe Ansicht aus und fügt auch einenGrund derselben bei: Kein Gesetz oder Kanon verpflichtet diePfarrer zum täglichen Messelesen; ja, Possevin schreibt: einsolches Gesetz könne gar nicht einmal gegeben werden; dennes würde den Geistlichen unstreitig in die handgreifliche Gefahrbringen, täglich eine schwere Sünde zu begehen, da es so schwerund mühsam sei, in dem Gewühle der Welt nicht zuweilen imKothe des Lasters stecken zu bleiben. ") Jedoch hat der VaterBau ny kurz vorher (p. 411) gesagt, ein Priester, der Stipen-dien habe, sei verpflichtet, jeden Tag Messe zu lesen, und etwabegangene Frevel, die ihn unwürdig machten, könne er durchNeue sühnen. In Betreff seiner ersten Ansicht muß er entweder
klscob. I. c. ri. 15. p. 172. 44) Ü!>un; 1>. p 474-