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6) Noch schroffer hat Cafirus Palaus diese Ansicht aus-gesprochen: „Es ist unstreitig wahr, daß der Untergebene, wennex eine wahrscheinliche Meinung für sich hat, nicht zum Gehor-same verpflichtet sei, wenn auch die entgegengesetzte Meinungwahrscheinlicher ist. Er kann dann, nach der Lehre des Sau-ch ez, diejenige Meinung befolgen, die ihm besser zusagt. Cssteht auch nicht im Wege, daß der Befehl des Oberen gerechtist, um dich zum Gehorsam zu verpflichten, weil er nicht un-bedingt, sondern nur wahrscheinlicher Weise rechtmäßig ist. Duwirst also nur probabel zum Gehorsam verpflichtet, aber auchebenso probabel davon entbunden sein.')
Diese Ansicht, folgerecht entwickelt und angewendct, führtnothwendig zur völligen Zerstörung des Ansehens der Päpste, je-der kirchlichen Gewalt und aller Disciplin.
7) Wie wenig Ehrfurcht die Jesuiten gegen die Entschei-dungen der Päpste in Bullen und Breven hatten, wie sehr die-selben von ihnen mißhandelt und um ihre ganze Kraft und Be-deutung gebracht wurden, das kann man aus vielen Beispielensehen. Man schlage einen Escobar nach, wie er und seineVierundzwanzig den päpstlichen Erlaß über die Immunitäts-Beraubung der Meuchelmörder, 6) das Verbot an die Mönche,ihren Ordenshabit abzulegen, die Bulle gegen solchePriester, welche Sodomie üben,'°) behandelt und zu nichte ge-macht haben.
8) Bei solcher Frechheit kann cs wohl gar nicht mehr auf-fallen, wenn der ehrwürdige Vater Bauny, als das päpstlicheConsistorium sein berüchtigtes Buch 8umma pecvatorum, welcheser in französischer Sprache geschrieben hatte, um es recht gemein-nützig zu machen, mit strenger Censur belegte und zum Ver-brennen vcrurtheilte, in seiner Schrift gegen Hallier, der ebendieses Buch angegriffen hatte, in die Worte ausbrach: „Washat Frankreich (wo Bauny wohnte) mit römischer Censur zuthun?"
Aus dem Gesagten ist hinlänglich klar, daß die Casuisten,
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