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Die Moral und Politik der Jesuiten nach den Schriften der vorzüglichsten theologischen Autoren dieses Ordens
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Ich will nicht behaupten, daß die ganze Gesellschaft Jesudie moralischen Maximen ihrer Casuistcn getheilt habe; die Ge-sellschaft hat der würdigen, cdeln und echt sittlichen Männer zuviele in sich geschlossen. Aber geduldet hat sie dieselben und aner-kannt auf ofsicicllem Wege. Sic hat dieses nicht ohne Grundgethan; die Casuistik hat ihr als ein Thcil ihrer Politik gegol-ten, Macht und Einfluß über die Menschen zu gewinnen. Sohat sie durch schlechte Mittel ihre Zwecke erreichen wollen. Dießcharakterisirt die Gesellschaft, und keine, auch nicht die einseitigsteund parteiischste Kritik wird sic von dem Vorwurfe rein wa-schen können, den Interessen des Ordens die der Menschheit,d. h. die Sittlichkeit aufgeopfert zu haben.

Aus der jesuitischen Lehre über das sechste Gebot ist jedersittliche Ernst, jede christliche Gesinnung verbannt; es herrschtdarin der frivolste Vorwitz, die Darstellung des Lasters ist nichtabschreckend, nicht warnend, sie lockt vielmehr an, ladet ein, un-sittliche Handlungen zu begehen, indem sie diese an und für sicherlaubt, wenn man seine Absicht nur nicht auf das darin ent-haltene Böse dirigirt. So wenig scelenkundig und menschen-erfahren zeigen sich diese berühmten Väter, daß sie nicht cinsc-hcn, wie ihre Lehre die große, schlangcnartige Versucherin zumBösen ist; denn wer sollte sich nicht den Anfängen sinnlicherLust z. B. durch die unanständigsten Berührungen hingeben,wenn er fick entschuldigen kann, er habe nicht aus Wollust, son-dern aus Vorwitz so gehandelt? Und diese erlaubte Absicht,wohin wird sie schwinden vor der Gewalt der Sinnlichkeit undder Sünde? wird die schlechte Neigung, die böse Lust, die sichden Mantel der guten Absicht umgehängt hat, sich nicht mitGewalt den Weg zur Herrschaft bahnen und sich bald in ihrerganzen Blöße und eigenen Gestalt zeigen?

Wenden wir uns jetzt zu den Casuisten, um unsere Behaup-tungen durch Beweise zu bewähren. Jedoch Eins wollen wirvorher noch bemerken, dieses nämlich, daß wir die schmutzigstenStellen in lateinischer Sprache hinschreibcn werden; denn derGenius der deutschen Sprache würde erröthen, zu jenen Abscheu-lichkeiten Ton und Ausdruck hcrgebcn zu müssen.

I) Escobar sagt von den unzüchtigen Blicken:Bei den Blicken findet eine zweifache Ergötzung statt; die erste