Druckschrift 
Die Moral und Politik der Jesuiten nach den Schriften der vorzüglichsten theologischen Autoren dieses Ordens
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

82

Recht, wenn mir Jemand meine Ehre vermittelst der Zungenehmen will. Denn cs ist wenig Unterschied, mit welchemWerkzeuge Jemand mir schadet, wenn er nur wirklich schadet.2) Beschimpfungen kann ich mit den Waffen hindern, also auchVcrläumdungcn. 3) Gefahr der Ehre wird der Gefahr des Le-bens gleich geschätzt; nun darf ich, um einer Lebensgefahr zuentgehen, Jemanden tö'dtcn: also u. s. w.

26) Auf diese Weise hat Lcssius für die Ehrenrettung hin-reichend gesorgt und hat den Verläumdern dann einen Warn-zettel geschrieben, der manches lose Maul verstopfen wird. Dennes ist kein Spaß, für eine Anschuldigung, und wenn sie auchwahr ist, gleich den Degen in die Rippen zu bekommen. Aberder große Lessius will auf die Ehre, dieses köstlichste Gut,auch nicht das geringste Fleckchen kommen lassen, und daher sagter denn in seinem schätzcnswcrthen Ehreneifer: „Es ist wohl zumerken, daß die Ehre auf verschiedene Weise angegriffen und ge-raubt werden kann; wobei die Vertheidigung auf die genannteArt erlaubt scheint; z. B„ wenn mir Jemand eine Ohrfeige odereinen Stockschlag geben will, oder mich, es sei mit Worten oderMienen und Geberden beschimpft. Auch hier habe ich dasRecht, mich (durch Mord) zu vcrtheidigcn." '^')

27) Der ehrwürdige Water Herreau hat sich ebenfallsüber diese wichtige Materie vom Morde verbreitet, und sagt in-dem er dem berühmten Lessius fast wörtlich nachschreibt: WennJemand durch falsche Beschuldigung bei dem Fürsten, Richteroder einem Ehrenmanne mir meinen guten Namen rauben will,und ich dem Verlust desselben auf keine andere Weise entgehenkann, wenn ich den Wcrläumdcr nicht ermorde: so kann ich die-ses mit gutem Gewissen. Vorher aber müßte ich ihn ermahnen,daß er abließe; wenn er dann nicht wollte, so müßte ich ihn,um Acrgcrniß zu vermeiden, heimlich aus der Welt schaf-fen." '")

Auf diese Weise haben die Jesuiten für die Ehre der welt-lichen Stände hinreichend gesorgt, aber sie haben auch den geist-lichen Stand in ihre liebevolle Fürsorge eingeschlosscn und nichteinmal der Mönche vergessen; denn sie wollen bei so kostbaren,

z-o) I^sius. I. c. 121) iilei». I. c. 122) tti'rcllur I c.