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Auch wird cs nicht befremden, wenn Isaak von Bruyitsagt: Wodurch willst du mir beweisen, daß Gott den Menschennicht auch einen positiven Jrrthum cingeben kann? Eine zwei-deutige Sprache streitet nicht gegen die Wahrhaftigkeit Gottes;und sowie er die Regel der menschlichen Handlungen ist, so folgtauch daraus, daß der Mensch nicht gegen die Wahrhaftigkeitsündigt, der sich dergleichen zweideutige Reden bedient.
Und jenen edeln und großen Männerbund, wie Menzelihn in seiner Reformationsgeschichte nennt, ohne je einen Casui-sten gesehen zu haben, jenen Männcrbund, aus dessen Mittesolche Pest, solcher Abscheu der Sittenlchre auftauchtc, der sie inSchutz nahm, sie öffentlich in die Welt trug, sic mit dem Sie-gel seiner Approbation versah, diesen Bund sollte man in dieneuere Zeit wiederum cinführcn und ihm die sittliche Führungder Christen und Völker und der Jugend wiederum anvcrtrauen?Fürwahr, es wäre dieß eine Sünde wider den heiligen Geist,die nimmer Vergebung finden könnte.
§- 3 -
Vom Eide und Gelübde; von der Lüge.
Der Eid mußte den Casuisten ein weites Feld geben, ihrekasuistische Spitzfindigkeit zu üben, und sie haben cs, wie wirschon oben gesehen, mit solchem Erfolg gethan, daß sie mitHülfe des Gebrauches zweideutiger Worte, der clirectio inton-lionis und restriotio mentalis, glücklich über den Meineid weg-zukommen gelehrt haben. Wir brauchen daher hier nur nochEiniges nachzuholen.
1) Daß Zweideutigkeiten, equivoque Ausdrücke und die re-ktilotio mentalis beim Eide erlaubt seien, als wahrscheinlicherwie das Gegentheil, behauptet der unübertreffliche Escobar^)und unser Landsmann Busenbaum sagt geradezu: „Wer nuräußerlich geschworen hat, ohne die Meinung zu schwören, brauchtden Eid nicht zu halten, da er ja nicht geschworen, sondern nur
io) I. v. Bruyn, Sätze der Theologie. Satz 24. 2 «) Lscob. ll'ract. I.kl;. 3. c. 4. n. 16. 17. p. 69. 79.