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Da nun Sirmond trotz seines satanischen Scharfsinnesgar keine Zeit herausbringen kann, worin wir zur Liebe Gottesverpflichtet seien, so schließt er, daß wir ganz folgerecht zu wei-ter Nichts verbunden seien, als die übrigen Gebote zu erfüllen,ohne irgend etwas von Neigung und Liebe zu Gott in uns zuerwecken oder zu erhalten. Dem Beweise davon ist der ganzezweite Tractat gewidmet, und jede Seite liefert Belege dazu.Wir wollen nur Einiges anführcn. So heißt es:
„Indem Gott befohlen hat, ihn zu lieben, ist er schon zufrieden,wenn wir nur seine übrigen Gebote halten (diese kann man alsoohne Liebe zu Gott halten. Welche Sophisterei!). Hätte Gottgesagt: Du sollst ewig verdammt werden, wenn du zwar meineGebote hältst, mich aber nicht liebst; wäre dieser Beweggrund,ihn zu lieben dem Endzwecke angemessen gewesen, den Gott ha-ben konnte und mußte? Wir sind also angewiesen, Gott zulieben, d. h. seinem Willen zu gehorchen, als wenn wir ihn inder Thal liebten, als wenn wahre Liebe uns gegen ihn beseelte.Wenn dieses der Fall ist, nun gut, dann ist's desto besser; wennnicht, so werden wir das Gebot, Gott zu lieben, hinreichend er-füllen, wenn wir nur seine übrigen Gebote nicht übertreten.Gott also hat nach ssciner bewunderungswürdigen Güte gegendie Menschen nicht so sehr geboten, ihn zu lieben, sondern nurverboten, ihn zu hassen." ")
Als diese schändliche und gottlose Lehre von vielen biederenund frommen Männern, welche in selbiger den Ruin aller Reli-gion und Sittlichkeit sahen, kräftig angegriffen wurde, da erho-ben sich die Jesuiten Annat^La Mo ine und Pintereauzur Bertheidigung derselben für ihren würdigen Bruder Sir-mond, und Pintereau steigerte selbige bis zu entsetzlicher Ruch-losigkeit.
„Es war billig und gerecht, schreibt der Jesuit, daß Gottin dem Gesetze der Gnade und des neuen Testamentes jenesharte und schwere Gebot, zur Erlangung der Rechtfertigung einevollkommene Reue, das heißt den Act der Liebe zu erwecken,aufhob; billig, sage ich, war es, daß er die Sacramentc ein-setzte, die den Mangel der Liebe ersetzten und nicht eine so schwie-
l6. Bergt. 19. 24. 26.