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Die Moral und Politik der Jesuiten nach den Schriften der vorzüglichsten theologischen Autoren dieses Ordens
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aus dem menschlichen Verkehre zu verbannen und der Lüge imLeben das Bürgerrecht zu geben. Und so ist cs geschehen und zwarim Großen. Denn jene gehaltlose, trugvolle Politik, ohne Ehre,Treue und Glauben, die von dem letzten Viertel des sechszehntenJahrhunderts an die nächsten hundert und fünfzig Jahre hindurchin Europa herrschte, was verhindert uns, dieselbe für ein Erzeugnißder jesuitischen Moral zu halten? Spiegeln sich nicht die Grund-sätze derselben darin ab und hat sie nicht, jene lockende Moral,Schüler genug in den Kabinetten gehabt, die so oft von Mit-gliedern der Gesellschaft Jesu beherrscht wurden?

Vermöge jener Lehre haben die Jesuiten es erlaubt, erstens,zweideutige Worte zu gebrauchen und denjenigen Sinn geltendzu machen, der dem sie Aussprcchcnden vortheilhaft ist und zuStatten kommt. Sanchez trägt diese Lehre folgendermaßenvor, und, wohl gemerkt, er ist ein ckoatvr Kravis. „Die ersteRegel, sagt er, sei: Sooft Worte ihrer Bedeutung nach zwei-deutig sind und mehrere Sinne gestatten, so ist es keine Lüge,sie in dem Sinne auszusprechen, welchen der Sprechende in siehineinlegen will, obwohl diejenigen, welche sie hören, und anden sie gerichtet sind, sie in einem andern Sinne nehmen."

Mein wenn man nun keine zweideutige Worte, um sichauszusprechen, finden kann? Auch für diesen Fall haben dieEhrwürdigen trefflich gesorgt durch die Reservationen und Re-strictioncn. Sanchez ist hier wiederum der Wegweiser und hilftglücklich über alle Schwierigkeiten und Scrupel hinweg.

„Man kann auch, heißt cs bei ihm am angeführten Orte,ohne eine Lüge zu begehen, Worte gebrauchen, die ihrer Bedeu-tung nach gar nicht zweideutig sind und den erwünschten Sinn,den man hineinlegcn will, weder aus sich, noch aus zufälligenUmständen zulassen, sondern ihn nur dann zulassen und wahrmachen, wenn man heimlich im Sinne etwas hinzufügt. Wiewenn z. B. Jemand unter vier Augen oder vor Andern gefragtwird und nun aus freien Stücken zum Scherze oder zu ir-gend einem andern Zwecke schwört, er habe in der Thatnicht gethan, was er doch wirklich gethan hat, so kann er fürsich im Sinne etwas anders verstehen, was er wirklich nicht ge-

sr) Zimclicr Os>s>. IUc>r»I. ?. 2. t,. 3. c. 6. n. 13.