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Die Moral und Politik der Jesuiten nach den Schriften der vorzüglichsten theologischen Autoren dieses Ordens
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die sicherere hintansetzen; ja, ich darf sogar tncine mehr probableund sichere Meinung aufgeben und der eines Andern folgen,wenn diese nur ebenfalls wahrscheinlich ist."

Die verderbliche Anwendung dieses Probabilismus auf dieeinzelnen Punkte der Sittenlehre soll unten folgen. Daß sienicht bloß für die Spekulation, sondern gerade für die Praxis,namentlich für den Beichtstuhl berechnet waren, darüber sind dieBeweise leicht beizubringcn, aus welchen erhellt, wie gewissenlosder Probabilismus war. Es kommt Jemand zu seinem Beicht-vater, um ihn in irgend einer Sache des Gewissens um Rathzu fragen. Wir wollen annehmcn, derselbe sei im Besitze einesunrechtmäßigen Gutes, welches ihm Scrupel verursache; aberer zeige zugleich eine Abneigung, es dem rechtmäßigen Herrn zu-rückzuerstatten. Auf solche Fälle sind die Casuiften gerüstetLaymann sagt: „Ein Doctor kann Einem, der ihn um Rathfragt, einen solchen ertheilcn, nicht nur nach seiner eigenen, son-dern auch nach eines Andern wahrscheinlichen Meinung, wenndiese dem Consulcnten günstiger oder erwünschter ist. So Vas -quez, Sanchez, Lopez und Escobar. ") Ja, ich glaube,er wird nicht unrecht thun, wenn er demjenigen, der ihn fragt,einen Rath crtheilt, der durch irgend einen Gelehrten für pro-babel erklärt ist, wenn er auch selbst die sichere Uebcrzeugunghat, daß er falsch sei." ") Escobar fragt an der oben bezeich-neten Stelle: „Darf ein Beichtvater gegen seine eigene Mei-nung dem Beichtkinde eine andere weniger wahrscheinliche an-cmpfehlen, um dasselbe von irgend einer Last (z. B. der Ver-meidung einer Gelegenheit zu schweren Sünden) zu befreien?"Vasquez, lautet die Antwort, sagt unbedingt ja; Becanushat Anfangs distinguirt und ist später dem Vasquez beigctrc-ten. Ferner fragt er: „Der Beichtende bittet den Beichtvater,ihm zu sagen, welche Meinung die wahrscheinlichere sei? Dannist jener verbunden, ihm die zu sagen, welcher er selbst folgt.Aber wenn bloß von praktischer Verpflichtung die Rede ist, sokann er ihm auch die weniger wahrscheinliche Meinung an-rathen; ja, er wird sich um so mehr als Rathgeber em-

W) Lscod. I. c. H) Lscoliar. I'deolox. Norsl. l'xam. 3.

c. 6. n. 24. 12 ) t.r>^,i,rnn. I. Qr. I c. 2. § 2. n. 7.