Druckschrift 
2 (1837)
Entstehung
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407
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Kap. 42. AlleS soll geleistet werden. Damit aber, falls we-niger geleistet worden, nichts nachlässig übergangen, sondern alleserörtert, geändert, geahndet und gebessert werde, hat vorzüglich derBorsteher die Pflicht : dem Presbyter, der bei euch in höherm Anse-hen steht, vorzutragen, was seiner Kräfte Maaß überschreitet.

Kap. 43. Aber euer Vorsteher selbst soll nicht glauben, daßer durch seine Gewalt herrschend, sondern daß er durch Liebe die-nend, glücklich sein könne. An Ehre stehe er über euch, aber vorGott liege er demüthig und voll Furcht zu euren Füßen. An gu-ten Werken soll er selbst Allen als Beispiel vorleuchtcn, die Unruhi-gen beschwichtigen, die Kleininüthigen trösten, die Schwachen auf-recht erhalten, geduldig sein mit Allen, die Disciplin handhaben unddie Furcht vor deren Auferlegung stets erhalten, damit er, wo dieNothwendigkeit zu schelten und zu strafen eintritt, dennoch von euchmehr geliebt, als gefürchtet werde und stets sich erinnere, daß erGott für euch wird Rechenschaft ablegen müssen. Daher gehorchetihr ihm eben so gut aus Mitleiden für ihn, als für euch selbst,weil er höher als ihr stehend, auch höherer Gefahr ausgesetzt ist.

Kap. 44. Der Herr crmahnet, daß ihr dies Alles beobachtensollt, als Verehrer der geistigen Schönheit und als Freunde einesguten Geruchs in Christo und dies nicht also, als ob ihr Sklavenwäret, unter dem Zwang des Gesetzes, sondern weil ihr frei seid mder Gnade Gottes.

Kap. 46. Damit ihr euch aber in diesem Buch, wie in einemSpiegel betrachten könnet, nichts aus Vergeßlichkeit versäumet, sosoll es euch wöchentlich einmal vorgelesen werden. Habt ihr danngesunden und erkannt, was ihr nach der Schrift zu thun schuldigseid, so danket Gott dem Geber alles Guten. Erkennt daraus Ei-ner, worin und womit er bisher gefehlt habe, so bereue er mitSchmerz die Fehler der Vergangenheit, lasse es sich zur Warnungdienen für die Zukunft und bete: Vergib uns unsere Schulden undführe uns nicht in Versuchung! Amen.

Auf den ersten Blick erkennt Jeder, daß diese 3 Regeln nurEines und dasselbe sind, Nuancirungen und Paraphrasen desselbenGedankens. In mancher Beziehung sind diese Augustimschen Re-geln milder, als alle Uebrigen, offenbar weil Augustinus bei Hin-gabe jener Gedanken an eigentliche Mönche und Mönchsascetik nichtgedacht, sondern seine Episcopal-Geistlichen vor Augen Hatte undnur nach einer hohem, fruchtbarem Weihe für sie strebte, dem Ehri-stenthum und der Welt in jeder Beziehung sie nützlich machen wollt?.Für Chorherren und Cleriker waren sie geeignet, aber in keinem ein-zigen Satz findet sich eine Spur, daß sie auf Einsiedler berechnetoder für solche Mönche geeignet sein könnten. Mitunter lassen sie