Druckschrift 
2 (1837)
Entstehung
Seite
129
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Ihren bestimmten und dringenden Vorstellungen setzte HeliusSanflmuth und gleissendc Versprechungen entgegen, überredete aberunter der Hand den Papst, daß Empörung im Orden herrschte,erhielt von ihm gemessene Vollmachten gegen alle Widerspenstigen,bemächtigte sich sogleich nach seiner Rückkehr von Rom des strengenCäsarius, ließ ihn gefesselt in den Kerker werfen, vertheilte zwölfvon dessen esirigsten Anhängern (deshalb „die Cäsariner" genannt)in die verschiedenen Ordcnsprovinzen, stieß Mehrere ganz aus demOrden und bestrafte Andere noch härter.

Während eines 2jährigen Gefängnisses hatte Cäsarius keineandere Gunst, als die Befreiung seiner Hände und Füße von denschweren Fesseln erlangen können. Als im Jahr 1239 aus Verschenseine Kerkerlhüre offen geblieben, trat der halb erfrorene Gefangenehinaus in den Hof, um an den langentbchrten Strahlen der Sonnesich zu wärmen. So fand ihn der Bruder Kerkermeister, ein ein-gefleischter Feind der Cäsariner und erschlug ihn sogleich mit einemStreich auf den Kopf.

Entrüstet über solche Schändlichkeit und indessen auch über deneigentlichen Sinn des Generals aufgeklärt, berief der Papst zumIS. Mai ein Generalkapitel des Ordens nach Rom, ließ den Heliusentsetzen und Albrecht von Pisa an seine Stelle ernennen. Die-ser und sein Nachfolger, der Engländer Haymont von Fevers-ham wußten mit sanftem Ernst, Ordnung und Regel aufrecht zuerhalten, obgleich die nach Milderung Lüsternen bei Weitem dieMehrzahl im Orden bildeten. Nach Haymonts Tod wurde 1244abermals ein Versuch gemacht, dem Helius das Gcneralat wiederin die Hand zu spielen, aber die Ränke scheiterten und Crescen-zius von Jesi wurde gewählt. Nach Mißglückung eines letztenVersuchs, bei dem Papst sich wieder einzuschmeicheln und Gewaltim Orden zu gewinnen, indem er sich unbefugter Weise als Ver-mittler zwischen Papst und Kaiser Friedrich II. eindrängen wollte,brach er sein Gelübde und entfloh an den Hof des Kaisers.

Still und ruhig hatten sich die Cäsariner verhalten, bis Ge-neral Crescenzius als einen zweiten Helius sich bewies, die armen,einsamen Klöster aufgab, prachtvolle Gebäude in den Städten auf-führte, Begräbnißplätze in den Kirchen verkaufte, reiche Vermächt-nisse dem Orden verschaffte, überall in Italien der Regel zum Trotzvon den Religiösen Geld annehmen und verwalten ließ, alle Obser-vanz geradezu verhöhnte und schamlos sogar deS Geldes wegenProzesse führte. Da erhoben sich die frommen Eiferer zu gemein-samer Klage bei dem Papst. Sie wurden nicht gehört, zogen sichtrauernd in ihre einsamen Wohnungen zurück, lebten streng nachder Regel, jedoch ohne durch Bildung einer eigenen Congregationvon dem Orden sich trennen zu wollen und verloren selbst ihrenNamen, nachdem Bonaventura, 12S6 zum General des Or-v. Biedenfeld's Mönchsorden. II. 9