Es darf nicht bezweifelt werden, daß diese Anstalt nur sehr unvollkommen das vorhan-dene und seit mehreren Jahren erkannte Bedürfniß befriedigen könne, so lange sie Privat-Anstaltbleibt. Wenn aber der Staat die Anstalt anerkennen und für ihre Operationen die Garantieübernehmen soll, so muß dieses Verfahren so eingerichtet sein, daß nach dem zur Zeit erreichtenStandpunkte der technischen Wissenschaften demselben keine zu beseitigenden Mängel nachgewiesenwerden können. Diese Forderung schließt aber das ältere Conditions-Verfahren, besonders fürunsere Gegenden, wo dasselbe wegen des veränderlichem und feuchtem Klimas zu noch größer»Irrungen, als im südlichen Frankreich und Italien führen würde, ganz nnbezweifelt aus. Esscheint, als dürfe und müsse in nnsem Zeiten an ein zulässiges Conditions-Verfahren die Bedin-gung gestellt werden, daß vermittelst desselben unter allen Umständen der Feuchtigkeitszustand derSeide bis auf ein halbes Procent genau ermittelt werden könne. Das Prinzip, welches demVerfahren von Talabot zum Grunde liegt, erst die Seide zu aequilibriren, dann eine odermehrere Proben davon absolut zu trocknen und nach dem Resultate dieser Austrocknnng denFeuchtigkeitsgehalt des ganzen Seidcnballens zu berechnen, ist nnbezweifelt das einzig richtigeund sicher begründete; jede neu zu errichtende Condition wird sich zu diesem Principe bekennenmüssen. Das Talabot'sche Verfahren, die Seide absolut zu trocknen, scheint die strengstenAnforderungen zu befriedigen. Ob eine Austrocknnng im luftverdünnten Räume ein genaueres,weniger umständliches, für eine öffentliche Condition passenderes Verfahren darbiete, als die Aus-trocknung mit heißer Luft, möchte sehr zu bezweifeln sein. Wenn nun bei Anwendung der Ta-labot'sehen Aequilibrir-Methode aus der behandelten Partie Seide an verschiedenen Stelleneinzelne Seidenproben gezogen und diese absolut getrocknet werden, so erscheint durch ein solchesmodifizirtes Verfahren, bei sorgfältiger Ausübung desselben eine Genauigkeit von ein halb Pro-cent wohl erreicht werden zu können. Wenn aber in einem Saale, in welchem am besten durchDampfheizung eine mäßige Erhöhung der Temperatur stattfände, vertikale Räder mit zwei Rin-gen und Armsystemcn, zwischen welchen Ringen vergitterte Behälter für die Seide so angebrachtwerden, daß durch die Lage des Schwerpunkts unter ihrer Ilmdrehungsachse ihr Boden beieiner langsamen Umdrehung des Rades stets nach unten gekehrt bliebe, aufgestellt werden undin ihren Behältern die Seide mehrere Stunden lang den Kreislauf ihrer Umdrehung mitmachte;so möchte dadurch eine Aequilibrirnng in dem Feuchtigkeitszustande der einzelnen Seidensträngeherbeigeführt werden, welche den Erfolg des Talabot'schen Aequilibrir-Apparats an Genauig-keit weit übertrifft. — Es wird nämlich ein solches Rad bei regelmäßigem Gange die verschie-denen mit Seide versehenen Behälter abwcchselnngsweise genau in dieselben Verhältnisse derLufteinwirkung versetzen und darum eine möglichst gleichförmige Austrocknung bewirken. Dader Umlauf dieser Räder nur ein sehr langsamer zu sein braucht, so würde ein Arbeiter fort-während viele derselben in Bewegung setzen können, so daß die Unkosten dieses Verfahrens kei-nen Grund abgeben würden, von demselben absehen zu müssen. Jedes Rad könnte sich in einembesondern durch Vergitterung abgesperrten Räume bewegen, so daß es also für jeden Eigen-thümcr möglich würde, sich seines Eigenthums durch Versiegelung völlig zu versichern. DieserVorschlag müßte vor der Annahme jedenfalls noch durch Versuche einer genauem Prüfung un-terworfen werden.
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