Druckschrift 
[Hauptbd.] (1840)
Entstehung
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Äie Seide ist eine so stark hygroskopische Substanz, daß sie, der freien Einwirkung der Luftausgesetzt, dem hygrometrischen Zustande der Luft in seinem Wechsel sehr rasch folgt und darumin ihrem Gewichte, je nach dem Grade ihrer Trockenheit, großen Veränderungen unterworfenist. Die in den heitern und warmen Gegenden des südlichen Frankreichs und Italiens in derschönsten Jahreszeit an der Luft getrocknete Seide enthält noch immer gegen 9 pEt. ihres Ge-wichts an Feuchtigkeit, die ihr entzogen werden kann, ohne sie zu beschädigen, und die sie be-gierig wieder annimmt, wenn sie der Einwirkung der Atmosphäre ausgesetzt wird. In sehrfeuchter Luft, wie solche im Freien bei Nebeln oder in Kellerräumen sich vorfindet, kann dieSeide über 30 pEt. ihres Gewichts Feuchtigkeit aufnehmen, ohne eigentliche Nässe zu zeigen.Es mußte sich also bei einem Handelsartikel, dessen Geldwerth so beträchtlich ist, bald dieNothwendigkeit Heransstellen, im öffentlichen Verkehr ein Mittel zu haben, den Normal-Feuchtig-keitszustand in beglaubigter Weise festzusetzen, und so bildeten sich die Seiden-EonditionenstloirckiLüoiiv clollo soto, (üonclitions (los soios), die anfänglich als Privat-Institute bestanden,später aber in mehreren Städten, wo der Seidenhandel von größerer Bedeutung ist, unter dieBeaufsichtigung und Autorität des Staats gestellt wurden.

Die älteste öffentliche Seiden-Conditio» mag in Turin sein. Durch ein Königliches Kabi-nets-Schreiben vom 5. Januar 1759 wurde die Conditio:: als öffentliche Anstalt begründet undunter die Aufsicht und Leitung der Handelskammer (DonsiAlio elel Loinmorcio) gestellt; alsPrivat-Anstalt hatte diese Conditio:: schon länger als ein halbes Jahrhundert bestanden. DasVerfahren hat seit der Zeit, wo die Conditio:: unter Aufsicht des Staats steht, im Wesentlichenwenig Veränderungen erlitten. Man lernt dasselbe genau aus der dem jetzigen Director FeliceDubois, der unter dem 18. Oktober 1814 zu seinem Amte ernannt wurde, ertheilten Instru-ction, die ü: extenso vor mir liegt, kennen. Bei der folgenden Darstellung des Verfahrens legeich dieses Aktenstück zum Grunde.

Die Conditio:: hat mehrere Räume im dritten Stock des ehemaligen Klosters der Carmeli-terinnen in Turin, die den Winden ausgesetzt sind, inne. Ein großer Saal dient als Seiden-Magazin; zwei große runde Zimmer dienen zur eigentlichen Austrocknung; zwei andere Zimmernehmen die Seide nach der Austrocknnng auf; andere Räume dienen zur Wohnung des Direktors,der Untcrbcamten und als Magazin für das Brennmaterial, welches meistens in Kohlen besteht.

In der Mitte der runden Zimmer steht ein Ofen, dessen Rauchröhre geradlinig zur kuppel-förmigen Decke emporgeht. Die Decke hat in der Mitte eine verschließbare Oeffnung, um täg-lich mehrere Male die Luft erneuern zu können. Die Seiden-Stränge werden an Rahmen(tolch), die in gleicher Entfernung vom Ofen an den Wänden stehen, aufgehängt; in derselbenEntfernung vom Ofen befinden sich die Thermometer. In den Monaten Mai, Juni, Juli und

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