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Friedrichs des Grossen Gedanken über Staat, Kirche, Fürsten und Volk
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jcnige Land von Europa seyn wird, wo er sich am längstenerhält. Ich segne das Schicksal dafür, daß Deutschland vonTag zu Tag toleranter wird; dieser verderbliche Eifer, dieUrsache von so vielen blutigen Sccncn, erlischt, und Niemandfragt, von welcher Religion die sind, mit denen er lebt.

Ebd. S. 217.

Sie haben Recht, meine Absicht ist, meinem Vaterlande,so wie meinen Zeitgenossen, in der kurzen Zeit, die ich nochzu leben haben werde, nützlich zu werden; die Pflicht desMenschen gebietet ihm, seinen Ncbcnmenschcn beizustehen inAllem, was von ihm abhängt, das ist der Inbegriff der Mo-ral, und ein gutes Herz wird mit sich selbst zufrieden seyn,wenn es diese Pflicht erfüllt. Ebd. S. 218.

Mein Freund, gute Laune ist das einzige Linderungs-mittel, welches uns die Last des Lebens tragen läßt. Ichsage nicht, daß man immer Herr ist, um sich diese Geisteö-stimmung zu verschaffen; wenn man indessen über die Ober-flache der Uebcl hinwegglcitet und dem Dcmocritus darinnachahmt, so kann man sich mit dem, was einem Menschen-feinde thoricht scheint, belustigen. Zum Beispiel, Voltairekann alle seine gute Laune behalten, ohne den Grafen vonFalkcnstcin gesehen zu haben. Wie viel Weise haben es zuihrem Glück gerechnet, Souveräne nicht gesehen zu haben?Der Besuch eines Kaisers kann die Eitelkeit eines gewöhn-lichen Mannes schmeicheln, Voltaire muß sich über dieseKleinlichkeiten hinwegsetzen. Ebd. S. 2lili.

Die Menschlichkeit, diese so cmpfehlenSwcrthc Tugend,welche alle andern in sich begreift, sollte nach meinem Da-fürhalten das Erbthcil eines jeden vernünftigen Menschenfcnn, und im Fall diese Tugend auf der ganzen Welt ver-schwinden sollte, müßte sie noch bei den Fürsten unsterblichseyn. 0. p. Bd. IX. S. 13.

Nichts bezeugt die Verschiedenheit unserer Sitten von de-nen vergangener Zeiten mehr, als wenn man vergleicht, wiedas Altcrthum und wie unser Jahrhundert große Männerbehandelt. Großmüthigkeit, Seelcngrdße, Standhaftigkcitgelten für chimärische Tugenden. Man sagt, o Sic bemü-hen sich, den Romer zu spielen, das ist außer der Zeit; manest von diesen Zierereien in unserm Jahrhundert zurückgekom-men. Desto schlimmer; die Römer, welche sich der Tugenden