Druckschrift 
Friedrichs des Grossen Gedanken über Staat, Kirche, Fürsten und Volk
Entstehung
Seite
99
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— S9 —

Eanonisation von die Hexen, welche man öffent-lich zn Rom verbrennt, die lächerlichen Streitigkeitender Schweizer über die unendlichen Quaalen, die theo-logische Wuth der holländischen Priester gegen die Pro-fessoren, welche lehren, daß die Tugend den Menschengenüge, eine Art Neligionskrieg, welcher jetzt in Po-len geführt wird, entgegensetzen. Oh! mein lieberAnaxagoras, der Mensch ist ein unverbesserliches Thier,das mehr fühlt als denkt.

Ebd. S. 71.

Ich bin überzeugt, daß in Frankreich Ungerech-tigkeiten und Gewaltthatigkeiten vorgehen, gegen welchedie Regierung ernstlich einschreiten sollte; aber beden-ken Sic doch, wenn vier, sechstausend, kurz eine MengeMenschen sich ihr Wort gegeben haben, einen einzi-gen zu betrügen, so wird das unvermeidlich geschehen.Das ist in jedem Lande und zu jeder Zeit geschehen;und wenn nicht das menschliche Geschlecht durch einengeschickten Chemisten zersetzt wird, und ein Philosophnicht andere Stoffe mit dieser Masse vermischt, sowird immer dasselbe Statt finden. Man muß sich dieGewißheit verschassen, daß ein Mensch schuldig ist, undihn dann anklagen; aber oft übereilt man sich. Esist gut, daß die Menschen ein Vorbild, ein Mustervon Vollkommenheit im Auge haben, weil sie sich nurzu weit davon entfernen, und diese Idee in ihremGeiste sich selbst verwischt. Aber bei alle dem werdensie doch nie zu dieser Vollkommenheit kommen, die un-