— 112 —
Störungen und Eingriffe von ihr abhielt? be-durfte sie darum so geringer Anstrengungen imFrieden? konnte sie darum ohne stehendes HeerFreiheit behaupten und Kriege und Kriegsverhee-rungcn von sich abwehren? Warum wissen dieHerren nicht Gleiches von Venedig und Hollandzu erzählen? Holland, meine ich, hieß und wardoch auch eine Republik? und zwar eine Republik,die in 200 Jahren andern Glanz von sich gestrahlthat, als die Schweiz in KW? Warum sagen sieuns die Gründe nicht, weswegen diese Republiknicht ohne Heere, Flotten, Kriege, Auflagen, undzwar recht schwere, in unangetasteter Unabhängig-keit bestehen durfte?
O nichts dieser republikanische Zauber! EineStellung, die beinahe vier Jahrhunderte gedauerthat, die Stellung der Nachbarstaaten und der gro-ßen Mächte, Spaniens, Ocstreichs und Frank-reichs, gegen einander und die gänzliche Vcrfallen-heit des deutschen Reichs haben der Schweiz die-ses einzige Glück verschafft. Aber bei aller Neben-buhlers! der genannten Großstaaten hätte die Schweizso nicht bestehen können, wenn das deutsche Reichin seiner morschen allmähligcn Abschwächung nichtalles Bewußtseyn seiner selbst, ja alle Gewissen-