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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
570
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gegen trägt, kindisch verkennt, nnd dagegen die Güter, die ihm am schwerstenzugänglich sind, für die kostbarsten ansieht. Den Edelstein, der im Schosßeder Erde fcstgewachscn, die Perle, die in den Untiefen des Meeres verborgen,hält der Mensch für die besten Schätze; er würde sie gering achten, wenn dieNatur sie gleich Kieseln und Muscheln zu seinen Fußen legte. Gegen unsereVorzüge sind wir gleichgültig; über unsere Gebrechen suchen wir uns so langezu täuschen, bis wir sie endlich für Vortrcfflichkcitcn halten. Als ich einst,nach einem Conzerte von Paganiui, diesem Meister mit leidenschaftlichen Lob-sprüchen über sein Violinspiel entgegentrat, unterbrach er mich mit den Wor-ten: aber wie gefielen Ihnen heute meine Komplimente, meine Verbeu-gungen?

Bescheidenen Sinnes und um Nachsicht bittend, übergebe ich dem Publi-kum das Buch der Lieder; für die Schwäche dieser Gedichte mögen viel-leicht meine politischen, theologischen und philosophischen Schriften einigenErsatz bieten. Bemerken muß ich jedoch, daß meine poetischen, eben so gutwie meine politischen, theologischen und philosophischen Schriften, einem unddemselben Gedanken entsprossen sind, und daß man die einen nicht verdam-men darf, ohne den andern allen Beifall zu cntzichn. Zugleich erlaube ichmir auch die Bemerkung, daß das Gerücht, als hätte jener Gedanke eine be-denkliche Umwandlung in meiner Seele erlitten, auf Angaben beruht, die icheben so verachten wie bedanern muß.

Nur gewissen bornirten Geistern konnte die Milderung meiner Rede, odergar mein erzwungenes Schweigen, als ein Abfall von mir selber erscheinen.Sie mißdeuteten meine Mäßigung, und das war um so liebloser, da ich dochnie ihre Ueberwuth mißdeutet habe. Höchstens dürfte man mich einer Ermü-dung beschuldigen. Aber ich habe ein Recht müde zu sein . . . Und dannmuß jeder dem Gesetze der Zeit gehorchen, er mag wollen oder nicht . . .

Und scheint die Sonne noch so schön.

Am Ende muß sie untergehn!

Die Melodie dieser Verse summt mir schon den ganzen Morgen im Kopfe undklingt vielleicht wieder aus Allem, waS ich so eben geschrieben. In einemStücke von Rapmund, dem wackeren Komiker, der sich unlängst aus Melan-cholie todtgeschosscn, erscheinen Jugend und Alter als allegorische Personen,und das Lied, welches die Jugend singt, wenn sie von dem Helden Abschiednimmt, beginnt mit den erwähnten Versen. Vor vielen Jahren, in München,sah ich dieses Stück, ich glaube es heißtDer Bauer als Millionair." So-bald die Jugend abgeht, sieht man, wie die Person des Helden, der allein aufder Scene zurückbleibt, eine sonderbare Veränderung erleidet. Sein braunes