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Haar wird allmählig grau und endlich schneeweiß; sein Rucken krümmt sich,seine Kniee schlottern; an die Stelle des vorigen Ungestüms tritt eine weiner-liche Weichheit . . . das Alter erscheint.
Naht diese winterliche Gestalt auch schon dem Verfasser dieser Blätter?Gewahrst dn schon, thcurer Leser, eine ähnliche Umwandlung an dem Schrift-steller, der immer jugendlich, fast allzu jugendlich in der Literatur sich bewegte?E5 ist ein betrübender Anblick, wenn ein Schriftsteller vor unseren Augen,Angesichts des ganzen Publikums, allmählig alt wird. Wir haben's gesehen,nicht bei Wolfgang Goethe, dem ewigen Jüngling, aber bei August Wilhelmvon Schlegel, dem bejahrten Gecken; wir haben's gesehen, nicht bei AdalbertChamisso, der mit jedem Jahre sich blüthcnreichcr verjüngt, aber wir sahenes bei Herrn Ludwig Ticck, dem ehemaligen romantischen Strohmian, derjetzt ein alter rcudigcr Muntschc geworden . . . O, ihr Götter! ich bitte euchnicht, mir die Jugend zu lassen, aber laßt mir die Tugenden der Jugend, denuneigennützigen Groll, die uneigennützige Thränc! Laßt mich nicht ein alterPolterer werden, der aus Neid die jüngeren Geister ankläfft, oder ein alterJammermensch, der über die gute alte Zeit beständig flennt. . . Laßt michein Greis werden, der die Jugend liebt und trotz der Alterschwächc noch immerThcil nimmt an ihren Spielen und Gefahren! Mag immerhin meineStimme zittern und beben, wenn nur der Sinn meiner Worte unerschrockenund frisch bleibt!
Sie lächelte gestern so sonderbar, halb mitleidig, halb boshaft, die schöneFreundin, als sie mit ihren rosigen Fingern meine Locken glättete . . . Nichtwahr, du hast auf meinem Haupte einige weiße Haare bemerkt?
„Und scheint die Sonne noch so schön.
Am Ende muß sie untcrgehn!"
Geschrieben zuParis im Frühjahr 1837.
Heinrich Heine.
Notiz.
Mit diesem Bande ist unsere Gcsammtansgabe der Hcine'schen Schriftenvorerst abgeschlossen. Sollte der Verfasser die deutsche Literatur noch mitneuen Schätzen, bereichern, so werden wir dieselben ungesäumt in Supple-ment-Heften nachtragen.
Philadelphia, im October 1855.
Der Verleger