— 561 -
dieser Artikel ist mir noch hinlänglich bekannt! Sie enthielten die maliziösestenInsinuationen über Nbtrünnigkcit nnd Inkonsequenz, allerlei Anschuldigungvon Sinnlichkeit, auch wird darin der Katholizismus gegen mich in Schuhgenommen u. s. w. — Von Vcrthcidigung dagegen kann hier nicht die Redesein; diese Schrift, welche weder eine Apologie, noch eine Kritik des Verstor-benen sein soll, bezweckt auch keine Justifikation des Uebcrlcbenden. Genug,ich bin mir der Redlichkeit meines Willens nnd meiner Absichten bewußt; nndwerfe ich einen Blick auf meine Vergangenheit, so regt sich in mir ein fastfreudiger Stolz über die gute Strecke Weges, die ich bereits zurückgelegt.Wird meine Zukunft von ähnlichen Fortschritten zeugen?
Aufrichtig gesagt, ich zweifle daran. Ich fühle eine sonderbare Müdigkeitdes Geistes; wenn er auch in der letzten Zeit nicht viel geschaffen, so war erdoch immer auf den Beinen. Ob das, was ich überhaupt schuf in diesemLeben, gut oder schlecht war, darüber wollen wir nicht streiten. Genug, eswar groß; ich merkte es an der schmerzlichen Erweiterung der Seele, worausdiese Schöpfungen hervorgingen . . . und ich merke es auch an der Kleinheitder Zwerge, die davor stehen nnd schwindlicht hinaufblinzcln . . . Ihr Blickreicht nicht bis zur Spitze, und sie stoßen sich nur die Nasen an dem Picdestaljener Monumente, die ich in der Literatur Europas aufgepflanzt habe, zumewigen Ruhme des deutschen Geistes. Sind diese Monumente ganz makellos,sind sie ganz ohne Fehl nnd Sünde? Wahrlich, ich will auch hierüber nichtsBestimmtes behaupten. Aber was die kleinen Leute daran auszusetzen wissen,zeugt nur von ihrer eigenen putzigen Beschränktheit. Sie erinnern mich andie kleinen Pariser Badeands, die bei der Aufrichtung des Obelisk auf derPlacc-Louis XVI. über den Werth oder die Nützlichkeit dieses großen Son-ncnzcigers ihre respcktivcn Ansichten austauschten. Bei dieser Gelegenheitkamen die ergötzlichsten Philistermcinnngcn zum Vorschein. Da war einschwindsüchtig dünner Schneider, welcher behauptete, der rothe Stein sei nichthart genug, um dem nordischen Klima lange zu widerstehen, nnd das Schnee-Wasser werde ihn bald zerbröckeln und der Wind ihn niederstürzen. Der Kerlhieß Petit Jean nnd machte sehr schlechte Röcke, wovon kein Fetzen auf dieNachwelt kommen wird, und er selbst liegt schon verscharrt auf dem Pbrc-la-Chaisc. Der rothe Stein aber steht noch immer fest auf derPlace.LouisXVI,,nnd wird noch Jahrhunderte dort stehen bleiben, trotzend allem Schnccwasser,Wind nnd Schneidergcschwätz!
Das Spaßhafteste bei der Aufrichtung des Obelisken war folgendes Er-cigniß:
Auf der Stelle, wo der große Stein gelegen, ehe man ihn aufrichtete, fandman einige kleine Skorpionen, wahrscheinlich entsprungen aus ctwelchen Skor-pionen-Eicrn, die in der Emballage des Obelisken aus Acgppten mitgebracht