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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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kcr, dem Corsen, dem gesunden Pflanzenschlaf, Martin Luther, Blücher, derEustachi bei Leipzig, womit er den Stolz des deutschen Volkes kitzeln will, allediese abgelebten Redensarten weiß Börne so zu beleuchten, daß ihre lächerlicheNichtigkeit aufs Ergötzlichste veranschaulicht wird; und dabei brechen aus sei-nem eigenen Herzen die rührendsten Naturlaute der Vaterlandsliebe, wie ver-schämte Geständnisse, die man in der letzten Stunde des Lebens nicht mehrzurückhalten kann, die wir mehr hervorschluchzen als aussprechen . . . DerTod steht daneben und nickt, als unabweisbarer Zeuge der Wahrheit!

Ja, er war nicht bloö ein guter Schriftsteller sondern auch ein großerPatriot.

In Beziehung auf BLrnc's schriftstellerischen Werth muß ich hier auch seineUebersctzung der Parolen ck'un croxant erwähnen, die er ebenfalls in seinemletzten Lchensjahre angefertigt, und die als ein Meisterstück des Styls zu be-trachten ist. Daß er eben dieses Buch übersetzte, daß er sich überhaupt in dieJdeenkreisc La MennaiS verlocken ließ, will ich jedoch nicht rühmen. DerEinfluß, den dieser Priester auf ihn ausübte, zeigte sich nicht blos in der er-wähnten Ucbcrsctzung der Caroles ck'un aro^ant, sondern auch in verschiedenenfranzösischen Aufsätzen, die Börne damals für den kekormateur und dieLalanoe schrieb, in jenen merkwürdigen Urkunden seines Geistes, wo sich einVerzagen, ein Verzweifeln an protestantischer Vernunftautorität gar bedenk-lich offenbart und das erkrankte Gcmüth in katholische Anschauungen hinüberschmachtet. . .

Es war vielleicht ein Glück für Börne, daß er starb . . . Wenn nichtder Tod ihn rettete, vielleicht sähen wir ihn heute römisch katholisch blamirt.

Wie ist daS möglich? Börne wäre am Ende katholisch geworden? Erbättc in den Schooß der römischen Kirche sich geflüchtet, und das leidendeHaupt durch Orgelton und Glockcnklang zu betäuben gesucht? Nun ja, erwar auf dem Wege dasselbe zu thun, was so manche ehrliche Leute schon gc-than, als der Acrgcr ihnen ins Hirn stieg und die Vernunft zu fliegen zwang,und die arme Vernunft ihnen beim Abschied nur noch den Rath gab: wennihr doch verrückt sein wollt, so werdet katholisch und man wird Euch wenigstensnicht einsperren, wie andere Monomanen.

Aus Acrgcr katholisch werden" so lautet ein deutsches Sprichwort,dessen verflucht tiefe Bedeutung mir jetzt erst klar wird. Ist doch der Katho-lizismus die schauerlich reitzendstc Blüthe jener Doktrin der Verzweiflung, derenschnelle Verbreitung über die Erde nicht mehr als ein großes Wunder erscheintwenn man bedenkt, in welchem grauenhaft peinlichen Zustand die ganze rö-mische Welt schmachtete. . . Wie der Einzelne sich trostlos die Adern öffneteund im Tode ein Asyl suchte gegen die Tyrannei der Cäsaren: so stürzte sichdie große Menge in die Ascetik, in die Abtödtungslchre, in die Martyrsucht,