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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
529
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die körperliche Offenbarung Gottes, oder durch die große Passion, jene großePassion, die ebenfalls göttlicher Nrt, weil sie uns von allen selbstsüchtige»Kleingefllhlcn befreit und die citclii Güter des Lebens, ja das Leben selbst,hinopfcrn läßt! WaS aber unseren Ludwig Börne betrifft, so dürfen wirkühn behaupten, daß es keineswegs die Begeisterung für Schönheit war, dieihn zu seiner Madame Wohl hinzog. Eben so wenig findet das Verhältnis;dieser beiden Personen seine moralische Rechtfertigung in der großen Passion.Beherrscht von der großen Passion, würden beide keinen Anstand genommenhaben, selbst ohne den Segen der Kirche und der Mairie, bei einander zuwohnen; das kleine Bedenken über das Kopfscbüttcln der Welt hätte sie nichtdavon abgehalten . . . Und die Welt ist am Ende gerecht und sie verzeiht dieFlammen, wenn nur der Brand stark und ächt ist, und schön lodert undlange. . . Gegen eitel verpuffendes Strohfeuer ist sie hart und sie verspottetjede ängstliche Halbglnt . . . Die Welt achtet und ehrt jede Leidenschaft, sobald sie sich als eine wahre erprobt, und die Zeit erzeugt auch in diesem Falleeine gewisse Legitimität. . . Aber Madame Wohl that sich mit Börne zu-sammen unter dem Deckmantel der Ehe mit einem lächerlichen Dritten, dessenbitteres Fleisch ihr vielleicht manchmal mundete, während ihr Geist sich weideteam süßen Geiste Börnc's . . . Selbst in diesem anständigsten Falle, selbst imFall dem idcalischen Freunde nur das reine, schöne Gemüth und dem rohenGatten die nicht sehr schöne und nicht sehr reinliche Hülle gewidmet ward,beruhte der ganze Haushalt auf der schmutzigsten Lüge, auf entweihter Eheund Heuchelei, auf Jmmoralität.

Zu dem Ekel, der mich bei dem Zusammentreffen mit Börne von Seitenseiner Umgebung bedrohte, gesellte sich auch das Mißbehagen, womit mich seinbeständiges Kanncngießern erfüllte. Immer politisches Naisoniren und wiederNaisonircn, und sogar beim Essen, wo er mich aufzusuchen wußte. BeiTische, wo ich so gern alle Misere der Welt vergesse, verdarb er mir die besten'Gerichte durch seine patriotische Galle, die er gleichsam wie eine bittere Saucedarüber hinschwahtc. Kalbsfllße ü, lcc blaitre cl'Ikötel, damals meine harm-lose LicblingSspcisc, er verleidete sie mir durch Hiobspostcn aus der Hcimath,die er aus den unzuverlässigsten Zeitungen zusammcngcgabelt hatte. Unddann seine verfluchten Bemerkungen, die einem den Appetit verdarben. Soz. B. kroch er mir mal nach in den Restaurant der Nnc Lepelletibr, wo da-mals nur politische Flüchtlinge ans Italien, Spanien, Portugal und Polenzu Mittag speisten. Börne, welcher sie alle kannte, bemerkte mit freudigemHändcrcibcn: wir beide seien von der ganzen Gesellschaft die einzigen, dienicht von ihrer respektive» Regierung zum Tode vcrurtheilt worden.Aberich habe, sehte er hinzu, noch nicht alle Hoffnung aufgegeben, es eben so weitzu bringen. Wir werden am Ende alle gedenk«, und Sic eben so gut wieHeine. VI. 45