vatcr. Ein Familienvater soll einen Familienvater ermorden! ja tödtcn!umbringen!"
Da der vi-, Pistor, einer der Zweibriickcr Helden, welcher mir diese Geschichteerzählte, seht dem Bereiche jeder Verantwortlichkeit entsprungen ist, darf ichihn wohl als Gewährsmann nennen. Er versicherte mir, daß die deutscheRevolution durch die erwähnte Sentimentalität des Familienvaters vor derHaud ajouruirt wurde, lind doch war der Moment ziemlich günstig. Nurdamals und während den Tagen des Hambachcr Festes hätte mit einiger Aus-sicht guten Erfolges die allgemeine Umwälzung in Teutschland versucht wer-den können. Jene Hambacher Tage waren der letzte Termin den die Göttinder Freiheit uns gewährte ; die Sterne waren günstig; seitdem erlosch jedeMöglichkeit des Gelingens. Dort waren sehr viele Männer der That ver-sammelt die selber von ernstem Willen glühten und auf die sicherste Hülfe rech-nen konnten. Jeder sah ein, es sei der rechte Moment zu dem großen Wag-uiß, und die meisten sehten gerne Glück und Leben auf's Spiel . . . Wahr-lich cS war nicht die Furcht, welche damals nur das Wort cntzügclte und dieThat zurückdämmte. — Was war es aber, was die Männer von Hambachabhielt die Revolution zu beginnen?
Ich wage es kaum zu sagen, denn es klingt unglaublich, aber ich habe dieGeschichte aus authentischer Quelle, nämlich von einem Mann, der als wahr-heitsliebender Republikaner bekannt und selber zu Hambach in dem Comitesaß, wo man über die anzufangende Revolution debattirte; er gestand mirnämlich im Vertrauen; als die Frage der Competcnz zur Sprache gekommen,als man darüber stritt, ob die zu Hambach anwesenden Patrioten auch wirklichcompctent seien im Namen von ganz Deutschland eine Revolution anzufan-gen ? da seien diejenigen, welche zur raschen That ricthcn, durch die Mehr-heit überstimmt worden, und die Entscheidung lautete: „man sei nicht com-pctent."
O Schilda, mein Vaterland!
Vencdcp möge es mir verzeihen, wenn ich diese geheime Compctcnzgeschichteausplandre und ihn selber als Gewährsmann nenne; aber es ist die besteGeschichte, die ich auf dieser Erde erfahren habe. Wenn ich daran denke, ver-gesse ich alle Kümmernisse dieses irdischen Jammcrthals, und vielleicht einst,nach dem Tode, in der neblichten Langeweile des Schattenreichs wird die Er-innerung an diese Compctcnzgcschichte mich aufheitern können .. . Ja, ich binüberzeugt, wenn ich sie dort Proserpincn erzähle, der mürrischen Gemahlin desHöllengotts, so wird sie lächeln, vielleicht laut lachen . . .
O Schilda, mein Vaterland!
Ist die Geschichte nicht wer b mit goldenen Buchstaben auf Sammt gestickt
Heine. VI. 44