— 503 —
liberal knurrt, täuscht er nicmaud, und jeder weiß, er ist ein unterthänigcrPudel, der niemand beißt. Das läuft beständig herum und schnopcrt anallen Küchen und mochte gern einmal in nnsrre Suppe seine Schnauze stecken,fürchtet aber die Fußtritte der hohen Gönner. Und sie geben ihm wirklichFußtritte und halte» das arme Vieh für einen Revolutionär. Lieber Him-mel, es verlangt nur ein bischen Wcdclfrciheit, und wenn man ihm diese ge-währt, so leckt es dankbar die goldenen Sporen der nkkcrmärkischen Ritter-schaft. Nichts ist ergötzlicher, als solche unermüdliche Beweglichkeit neben derunermüdlichen Geduld. Dieses tritt recht hervor in jenen Briefen, wo derarme Laufhund auf jeder Seite selbst erzählt, wie er vor den pariser Theaternruhig Queue machte... Ich versichere Sie, er machte ruhig Queue mitdem großen Troß und ist so einfältig, es selbst zu erzählen. Was aber nochweit stärker, was die Gemeinheit seiner Seele ganz zur Anschauung bringt,ist das Geständniß, daß er, wenn er vor Ende der Vorstellung das Theaterverließ, jedesmal seine Contrcmarguc verkaufte. Es ist wahr, als Fremderbraucht er nicht zu wissen, daß solcher Verkauf einen ordentlichen Menschenherabwürdigt; aber er hätte nur die Leute zu betrachten brauchen, denen erseine Contremargue verhandelte, um von selbst zu merken, daß sie nur derAbschaum der Gesellschaft sind, Diebcsgesindcl und MaqucreauS, kurz Leute,mit denen ein ordentlicher Mensch nicht gern spricht, vielwcnigcr ein Handels-geschäft treibt. Der muß von Natur sehr schmutzig sein, wer aus diesenschmutzigen Händen Geld nimmt."
Damit man nicht wähne, als stimme ich in dem Nrtheil über den HerrnProfessor Friedrich von Räumer ganz mit Börne überein, so bemerke ich zuseinem Vorthcil, daß ich ihn zwar für schmutzig halte, aber nicht für dumm.Das Wort schmutzig, wie ich ebenfalls ausdrücklich bemerken will, muß hiernicht im materiellen Sinn genommen werden. . . Die Frau Professorinwürde sonst Zetcr schreien und alle ihre Waschzettel drucken lassen, worin ver-zeichnet steht, wie viel reine Unterhemden und Chcmiscttchcn ihr liebes Männ-lein im Laufe dcS Jahres angezogen . . . und ich bin überzeugt, die Zahl istgroß, da Herr Professor Räumer im Laufe des Jahres so viel läuft und folg-lich schwitzt und folglich viel Wäsche nöthig hat. Es kommt ihm nämlichnicht der gebratene Ruhm ins Haus geflogen, er muß vielmehr beständig aufden Beinen sein, um ihn aufzusuchen, und wenn er ein Buch schreibt, so mußer erst von Pontio nach Pilato rennen, um die Gedanken zusammen zu kriegenund endlich dafür zu sorgen, daß das mühsam zusammengestöppelte Opusauch von der literarischen Claquc hinlänglich unterstützt wird. Das beweg-liche süßhölzcrne Männchen ist ganz einzig in dieser Betriebsamkeit, und nichtmit Unrecht bemerkte einst eine geistreiche Frau: „sein Schreiben ist eigentlichein Lausen." Wo was zu mache» ist, da ist es, das Raumcrchen aus Anhalt