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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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kcitsplatze, stand cinc alte Kirche, die so morsch und baufällig war, daß manfürchtete, durch ihren Einsturz würden einmal plötzlich viele Menschen gctödtctoder verstümmelt werden. Man riß sie nieder, und die Nicdcrreißcr verhüte-ten ein großes Unglück, statt daß die ehemaligen Erbauer der Kirche nur eingroßes Glück beförderten . . . Und man kann eher ein großes Glück entbeh-ren, als ein großes Unglück ertragen! Es ist wahr, viel gläubige Herrlichkeitblühte einst in den alten Mauern, und sie waren späterhin eine fromme Reli-quie des Mittelalters, gar poetisch anzuschauen, des Nachts, im Mondschein. . . Wem aber, wie meinem armen Vetter, als er mal vorbeiging, einigeSteine dieses übriggebliebenen Mittelalters auf den Kops fielen, (er blutetelange und leidet noch heute an der Wunde), der verwünscht die Verehrer alterGebäude, und segnet die tapferen ArbcitSleute, die solche gefährliche Ruinen, niederreißen . . . Ja, sie haben sie niedergerissen, sie habe» sie dem Bodengleich gemacht, und jetzt wachsen dort grüne Bäumchcn und spielen kleine Kin-der, deS Mittags, im Sonnenlicht."

In solchen Reden gab's keine Spur der früheren Harmlosigkeit, und derHumor des Mannes, worin alle gemüthliche Freude erloschen, ward mituntergallenbitter, blutdürstig und sehr trocken. Das Abspringen von einem Ge-genstände zum anderen entstand nicht mehr durch tolle Laune, sondern durchlaunische Tollheit, und war wohl zunächst der buntscheckigen ZcitungSlcktürebeizumessen, womit sich Börne damals Tag und Nacht beschäftigte. Inmit-ten seiner terroristischen Expektorationen griff er plötzlich zu einem jener Ta-gesblätter, die in großen Haufen vor ihm ausgestreut lagen, und rief lachend:

Hier können Sie's lesen, hier steht'S gedruckt:Deutschland ist mitgroßen Dingen schwanger!" Ja, das ist wahr, Deutschland geht schwangermit großen Dingen; aber das wird eine schwere Entbindung geben. Undhier bedarf's eines männlichen Geburtshelfers, und der muß mit eisernen In-strumenten agiren. Was glauben Sie?"

Ich glaube, Deutschland ist gar nicht schwanger.

Nein, nein, Sie irren sich. Es wird vielleicht eine Mißgeburt zur Weltkommen, aber Deutschland wird gcbähren. Nur müssen wir uns der ge-schwätzigen alten Weiber entledigen, die sich herandrängen und ihren Hcbam-mcndicnst anbieten. Da ist z. B. so eine Vettel von Notteck. Dieses alteWeib ist nicht einmal ein ehrlicher Mann. Ein armseliger Schriftsteller, derein bischen liberalen Dcmagogismus treibt und den Tagesenthusiasmus aus-beutet, um die große Menge zu gewinnen, um seinen schlechten Büchern Ab-satz zu verschaffe», um sich überhaupt eine Wichtigkeit zu geben. Der ist halbFuchs, halb Hund, und hüllt sich in ein Wolfsfell, um mit den Wölfen zuheulen. Da ist mir doch tausendmal lieber der dumme Kerl von Räumerso eben lese ich seine Briefe aus Paris der ist ganz Hund, und wenn er