einander sprengte. Die vorstehenden Briefe mögen Kunde geben von derStimmung, in welcher mich die große Begebenheit antraf, und in gegenwär-tiger Denkschrift sollen sie als vermittelnde Brücke dienen, zwischen dem erstenund dem dritten Buche. Der Ucbcrgang wäre sonst zu schroff. Ich trugBedenken, eine größere Anzahl dieser Briese mitzntheilcn. da in den nächst-folgenden der zeitliche Freihcitsrausch allzu ungestüm über alle Polizcivcrord-nungcn hinaustaumelte, während späterhin allzu ernüchterte Betrachtungeneintreten und das enttäuschte Herz in muthlose. verzagende und verzweifelndeGedanken sich verliert! Schon die ersten Tage meiner Ankunft in der Haupt-stadt der Revolution merkte ich, daß die Dinge in der Wirklichkeit ganz andereFarben trugen, als ihnen die Lichtcffckte meiner Begeisterung in der Fernegeliehen hatten. Das Silbcrhaar, das ich um die Schulter Lasayctte'S, dcöHelden beider Welten, so majestätisch flattern sah. verwandelte sich bei nähererBetrachtung in eine braune Pcrrückc, die einen engen Schädel kläglich bedeckte.Und gar der Hund Mcdor, den ich auf dem Hofe deS Louvre besuchte, und der,gelagert unter dreifarbigen Fahnen und Trophäen, sich ruhig füttern ließ: erwar gar nicht der rechte Hund, sondern eine ganz gewöhnliche Bestie, die sichfremde Verdienste anmaßte, wie bei den Franzosen oft geschieht, und eben sowie viele andre, cxploitirtc er den Ruhm der Juliusrevolntion ... Er wardgehätschelt, gefördert, vielleicht zu den höchsten Ehrenstcllen erhoben, währendder wahre Mcdor, einige Tage nach dem Siege, bescheiden davon geschlichenwar, wie das wahre Volk, das die Revolution gemacht...
Armes Volk! Armer Hund! sio.
Es ist eine schon ältliche Geschichte. Nicht für sich, seit undenklicher Zeit,nicht für sich hat das Volk geblutet und gelitten, sondern für Andre. Im Juli183l) erfocht es den Sieg für jene Bourgeoisie, die eben so wenig taugt wiejene Noblesse, an deren Stelle sie trat, mit demselben Egoismus. . . DasVolk hat nichts gewonnen durch seinen Sieg, als Reue und größere Noth.Aber seid überzeugt, wenn wieder die Sturmglocke geläutet wird und das Volkzur Flinte greift, diesmal kämpft es für sich selber und verlangt den wohlver-dienten Lohn. Diesmal wird der wahre, ächte Mcdor geehrt und gefüttertwerden. . . Gott weiß, wo er jetzt herumläuft, verachtet, verhöhnt undhungernd. . .
Doch still mein Herz, Du vcrräthst Dich zu sehr...