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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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bel, zum Schwert zu greift», und Paddy wird vielleicht einen Bull machen,worüber den Engländern das Lachen vergeht.

lind Deutschland? Ich weiß nicht. Werden wir endlich von unserenEichenwäldern den rechte» Gebrauch machen, nämlich zu Barrikaden für dieBefreiung der Welt? Werden wir, denen die Natur so viel Ticfsinn, so vielKraft, so viel Much crtheilt hat, endlich unsere GotteSgabe benuücn und dasWort des großen Meisters, die Lehre von den Rechten der Menschheit, begrei-fen, proklamircu und in Erfüllung bringen?

Es sind seht sechs Jahre, daß ich, zu Fuß das Vaterland durchwandernd,auf der Wartburg ankam und die Zelle besuchte, wo Doktor Luther gehaust.Ein braver Man», auf den ich keinen Tadel kommen lasse; er vollbrachte einRiesenwerk, und wir wollen ihm immer dankbar die Hände küssen für das,was er that. Wir wollen nicht mit ihm schmollen, daß er unsere Freundeallzu unhöflich anließ, als sie in der Exegese des göttlichen Wortes etwas wei-ter gehen wollten als er selber, als sie anch die irdische Gleichheit der Menschenin Vorschlag brachten ... Ein solcher Vorschlag war freilich damals noch un-zeitgemäß, und Meister Hcmling der Dir Dein Haupt abschlug, armer Tho-mas Münzer, er war in gewisser Hinsicht wohl berechtigt zu solchem Verfah-ren: denn er hatte das Schwert in Händen, und sein Arm war stark!

Auf der Wartburg besuchte ich auch die Nüstkammer, wo die alten Harnischehangen, die alten Pickelhauben, Tartschcn, Hellebarden, Flammbcrge, dieeiserne Garderobe des Mittelalters. Ich wandelte nachsinnend im Saaleherum mit einem Universitätsfreunde, einem jungen Herrn vom Adel, dessenVater damals einer der mächtigsten Viertelfürstcn in unserer Hcimath war,und das ganze zitternde Ländchcn beherrschte. Auch seine Vorfahren sindmächtige Barone gewesen, und der junge Mann schwelgte in heraldischen Er-innerungen bei Anblick der Rüstungen und der Waffen, die, wie ein angehef-teter Zettel, meldete, irgend einem Ritter seiner Sippschaft angehört hatte.Als er das lange Schwert des Ahnherrn von dem Haken herablangtc und ansNeugier versuchte, ob er es wohl handhaben könnte, gestand er, daß es ihmdoch etwas zu schwer sei und er ließ entmuthigt den Arm sinken. Als ichdieses sah, als ich sah, wie der Arm des Enkels zu schwach für das Schwertseiner Väter, da dachte ich heimlich in meinem Sinn: Deutschland könntefrei sein.

Neun Jahre spater.

Zwischen meinem ersten und meinem zweiten Begcgniß mit Ludwig Börneliegt jene Juliusrevolution, welche unsere Zeit gleichsam in zwei Hälften aus-