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Helgoland, den 18. Julius.
Im alten Testamente habe ich das erste Buch Mösts ganz durchgelesen.Wie lange Karavancnzüge zog die heilige Vorwelt durch meinen Geist. DieKamccle ragen hcroor. Auf ihrem hohen Rücken sitze» die verschleierten Ro-sen von Canaan. Fromme Vichhirtcn, Ochsen und Kühe vor sich hintreibcnd.Das zieht über kahle Berge, heiße Sandflächcn, wo nur hier und da einePalmengrnppe zum Vorschein kommt und Kühlung fächelt. Die Knechtegraben Brunnen. Süßes, stilles, hcllsonnigcs Morgenland! Wie lieblichruht es sich unter deinen Zelten! O Laban, könnte ich Deine Heelden weiden!Ich würde Dir gerne sieben Jahre dienen um Nahcl, und noch andere siebenJahre für die Lea, die Du mir in den Kauf gicbst! Ich höre, wie sie blöken,die Schafe Jakobs, und ich sehe, wie er ihnen die geschälten Stäbe vorhält,wenn sie in der Brunstzeit zur Tränke gchn. Die gesprenkelten gehören jetztuns. Unterdessen kommt Rüben nach Hanse und bringt seiner Mutter einenStraus Judaim, die er auf dem Felde gepflückt. Rahel verlangt dic Judaim,und Lea giebt sie ihr mit der Bedingung, daß Jakob dafür die nächste Nachtbei ihr schlafe. Was sind Judaim? Die Commentatorcn haben sich ver-gebens darüber den Kops zerbrochen. Luther weiß sich nicht besser zu helfen,als daß er diese Blumen ebenfalls Judaim nennt. Es sind vielleicht schwä-bische Gelbvciglcin. Die LiebcSgeschichte von der Dina und dem jungenSichern hat mich sehr gerührt. Ihre Brüder Simeon und Lcvy haben jedochdie Sache nicht so scntimcntalisch aufgefaßt. Abscheulich ist cS, daß sie denunglücklichen Sichern und alle seine Angehörigen mit grimmiger Hinterlisterwürgten, obgleich der arme Liebhaber sich anheischig machte, ihre Schwesterzu heirathcn, ihnen Länder und Güter zu geben, sich mit ihnen zu einer ein-zigen Familie zu verbünde», obgleich er bereits in dieser Absicht kich und seinganzes Volk beschneiden ließ. Die beiden Bursche» hätten froh sein sollen, daßihre Schwester eine so glänzende Partie machte, die angelobte Verschwägcrungwar für ihren Stamm von höchstem Nutzen, und dabei gewannen sie, außerder kostbarsten Morgcngabe, auch eine gute Strecke Land, dessen sie eben sehrbedurften . . . Man kann sich nicht anständiger aufführen, wie dieser verliebteSichcmprinz, der am Ende doch nur aus Liebe die Rechte der Ehe anticipirthatte.. . Aber das ist es, er hatte ihre Schwester geschwächt, und für diesesVergehen giebt cS bei jenen chrstolzcn Brüdern keine andere Buße als denTod . .. und wenn der Vater sie ob ihrer blutigen That zur Rede stellt, unddie Vortheiic erwähnt, die ihnen die Verschwägcrung mit Sichcm verschaffthätte, antworten sie: sollten wir etwa Handel treiben mit der Jungfcrschaftunserer Schwester?
Störrigc, grausame Herze», diese Brüder. Aber unter dem harten Stein
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