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chen ansah, war cm Jrrthum, der späterhin für mich sehr viele Verdrießlich-keiten hatte. Schon damals in Frankfurt harmonirtcn wir nur im Gebieteder Politik, keineswegs in den Gebieten der Philosophie, oder der Kunst, oderder Natur — die ihm sämmtlich verschlossen waren. Vielleicht entfallen mirspäterhin in dieser Beziehung einige charakteristische Züge. Wir waren über-haupt von entgegengesetztem Wesen, und diese Verschiedenheit wurzelte amEnde vielleicht nicht bloß in unserer moralischen, sondern auch physischen Natur.
Es gibt im Grunde nur zwei Mcnschensortcn, die mageren und die fetten,oder vielmehr Menschen, die immer dünner werden, und solche, die aus schmäch-tigen Anfängen allmählig zur ründlichstcn Korpulenz übergehen. Die crstcrcnsind eben die gefährliche Sorte, die Cäsar so sehr fürchtete — ich wollte, erwäre fetter, sagt er von Kassius. Brutus war von einer ganz andern Sorte,und ich bin uberzeugt, wenn er nicht die Schlacht bei Philipp! verloren, undsich bei dieser Gelegenheit erstochen hätte, wäre er eben so dick geworden, wieder Schreiber dieser Blätter. — „Und Brutus war ein braver Mann."
Da ich hier an Shakespeare erinnert werde, so ergreife ich die Gelegenheit,mich für eine alte Lesart zu erklären, die den Hamlet „fett" nennt. — Be-dauernswürdiger Prinz von Dänemark! die Natur hatte Dich dazu bestimmt,in glücklicher Wohlbeleibthcit Deine Tage zu verschleudern, und da fällt aufeinmal die Welt aus ihren Angeln, und Du sollst sie wieder einrahmen!Armer dicker Dänenprinz!
Die drei Tage, welche ich in Frankfurt in Börne's Gesellschaft zubrachte,verflossen in fast idyllischer Fri'cdsamkcit. Er bestrebte sich angelegentlichst,mir zu gefallen. Er ließ die Naguctcn seines Witzes so heiter als möglichaufleuchten, und wie bei chinesischen Feuerwerken am Ende der Feuerwerkerselbst unter sprühendem Flammcngcprassel in die Lust steigt! so schlössen diehumoristischen Reden des Mannes immer mit einem tollen Brillantfeucr,worin er sich selbst aufs keckste preis gab. Er war harmlos wie ein Kind.Bis zum letzten Augenblick meines Aufenthalts in Frankfurt, lief er gcmüth-lich neben mir einher, mir an den Augen ablauschend, ob er mir vielleicht nochirgend eine Liebe erweisen könne. Er wußte, daß ich auf Veranlassung desalten Baron Cotta nach München reiste, um dort die Redaktion der politischenAnnale» zu übernehmen, und auch einigen projektirtcn literarischen Institutenmeine Thätigkcit zu widmen. Es galt damals, für die liberale Presse jeneOrgane zu schaffen, die späterhin so heilsame» Einfluß üben könnten; es galt,die Zukunft zu säen, eine Aussaat, für welche in der Gegenwart nur dieFeinde Augen hatten, so daß der arme Sämann schon gleich nur Acrgcr undSchmähung cinerndtcte. Männiglich bekannt sind die giftigen Jämmerlich-keiten, welche die ultramontane aristokratische Propaganda in München gegenmich und meine Freunde ausübte.