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Zeit, wo der selige Meyer Anschcl Rothschild, ihr thcurcr Gatte, das Lam-penfcst mit ihr feierte, und ihre Söhne noch kleine Bübchen waren und kleineLichtchen auf den Boden pflanzten, und in kindischer Lust darüber hin- undhersprangen, wie es Brauch und Sitte ist in Israel!"
„Der alte Rothschild," fuhr Börne fort, „der Stammvater der regieren-den Dynastie, war ein braver Mann, die Frömmigkeit und Gutherzigkeitselbst. Es war ein mildthätiges Gesicht mit einem spihigen Bartchen, aufdem Kopf ein dreieckig gehörnter Hut, und die Kleidung mehr als bescheiden,fast ärmlich. So ging er in Frankfurt herum, und beständig umgab ihn, wieein Hofstaat, ein Haufen armer Leute, denen er Almosen crthciltc oder mitgutem Rath zusprach; wenn man auf der Straße eine Reihe von Bettlernantraf mit getrösteten und vergnügten Mienen, so wußte man, daß hier ebender alte Rothschild seinen Durchzug gehalten. Als ich noch ein kleines Bübchenwar, und eines Freitags Abends mit meinem Vater durch die Judcngasscging, begegneten wir dem alten Rothschild, welcher eben aus der Synagoge-kam; ich erinnere mich, daß er, nachdem er mit meinem Vater gesprochen,auch mir einige liebreiche Worte sagte, und daß er endlich die Hand auf meinenKopf legte, um mich zu segnen. Ich bin fest überzeugt, diesem Rothschild'-schcn Segen verdanke ich eS, daß späterhin, obgleich ich ein deutscher Schrift-steller wurde, doch niemals das baare Geld in meiner Tasche ganz ausging."
Ich kann nicht umhin, hier die Zwischenbemerkung einzuschalten, daß Börneimmer im behaglichen Wohlstände lebte, und sein späterer UltralibcraliSmnSkeineswegs, wie bei vielen Patrioten, dem verbissenen Ingrimm der eigenenArmuth beizumessen war. Obgleich er selber reich war, ich sage reich nachdem Maaßgabe seiner Bedürfnisse, so hegte er doch einen unergründlichenGroll gegen die Reichen. Obgleich der Segen des Vaters aus seinem Haupteruhte, so haßte er doch die Söhne, Meyer Amsel Rothschilds Söhne.
Wie weit die persönlichen Eigenschaften dieser Männer zu jenem Hasse be-rechtigten, will ich hier nicht untersuchen! eö wird an einem anderen Orteausführlich geschehen. Hier möchte ich nur der Bemerkung Raum geben,daß unsere deutschen Freihcitsprcdigcr eben so ungerecht wie thöricht handeln,wenn sie das Haus Rothschild wegen seiner politischen Bedeutung, wegen sei-ner Einwirkung auf die Interessen der Revolution, kurz wegen seines öffent-lichen Charakters, mit so viel Grimm und Blutgier anfeinden. Es giebt keinestärkere Beförderer der Revolution als eben die Rothschildc. . . und was nochbefremdlicher klingen mag: diese Rothschildc, die Banquicrs der Könige, diesefürstlichen Seckclmeister, deren Existenz durch einen Umsturz des europäischenStaatcnsystems in die ernsthaftesten Gefahren gcrathcn dürfte, sie tragen den-noch im Gcmüthe das Bewußtsein ihrer revolutionären Sendung. Nament-lich ist dieses der Fall bei dem Manne, der unter dem schcinloscu Namen
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