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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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auf bäumendem Roß dm Simplom besteigt, wie er mit hochgcschwnngenerFahne über die Brücke von Lodi stürmt u. s. w. Wenn ich aber ein Malerwäre, so würde ich ihn darstellen, wie er das Service von Kobcntzcl zerschlägt.Das war seine erfolgreichste That. Jeder König fürchtete seitdem für seinPorzelan, und gar besondere Angst überkam die Berliner wegen ihrer großenPorzelansabrik. Sie haben keinen Begriff davon, liebster Heine, wie mandurch den Besitz von schönem Porzclan im Zanm gehalten wird. Sehen Siez. B. mich, der ich einst so wild war, als ich wenig Gepäck hatte und gar keinPorzelan. Mit dem Bcsitzthum, und gar mit gebrechlichem Besitzthum kommtdie Furcht und die Knechtschaft. Ich habe mir leider vor kurzem ein schönesThceservice angeschafft die Kanne war so lockend prächtig vergoldet ausder Zuckerdose war das eheliche Glück abgemalt, zwei Liebende, die sich schnä-beln auf der einen Tasse der Katharinenthurm, auf einer andern die Kon-stablcrwachc, lauter vaterländische Gegenden auf den übrigen Tassen. Ichhabe wahrhaftig jetzt meine liebe Sorge, daß ich in meiner Dummheit nichtzu frei schreibe und plötzlich flüchten müßte. Wie könnte ich in der Ge-schwindigkeit all' diese Tassen und gar die große Kanne einpacken? In derEile könnten sie zerbrochen werden, und zurücklassen möchte ich sie in keinemFalle. Ja wir Menschen sind sonderbare Käutzc! Derselbe Mensch, dervielleicht Ruhe und Freude seines Lebens, ja das Leben selbst aufs Spiel setzenwürde, um seine Meinungsfreiheit zu behaupten, der will doch nicht gern einpaar Tassen verlieren, und wird ein schweigender Sklave, um seine Thcekannczu conserviren. Wahrhaftig, ich fühle, wie das verdammte Porzclan mich imSchreiben hemmt, ich werde so milde, so vorsichtig, so ängstlich .... AmEnde glaub' ich gar, der Porzclanhändler war ein österreichischer Polizciagcntund Metternich hat mir das Porzclan auf den Hals geladen, um mich zuzähmen. Ja, ja, deshalb war eS so wohlfeil und der Mann war so beredsam.Ach! die Zuckerdose mit dem eheliche» Glück war eine so süße Lockspeise! Ja,je mehr ich mein Porzclan betrachte, desto wahrscheinlicher wird mir der Ge-danke, baß es von Metternich herrührt. Ich verdenke es ihm nicht im Min-desten, daß man mir aus solche Weise bcizukommcn sucht. Wenn man klugeMittel gegen mich anwendet, werde ich nie unwirsch; nur die Plumpheit und

die Dummheit ist mir unausstehlich. Da ist aber unser frankfurter Senat "

Ich habe meine Gründe, den Mann nicht weiter sprechen zu lassen, undbemerke nur, daß er am Ende seiner Rede mit gutmüthigcm Lachen ausrief:Aber noch bin ich stark genug, meine Porzclanfeffeln zu brechen, undmacht man mir den Kopf warm, wahrhaftig, die schöne vergoldete Thcckannefliegt zum Fenster hinaus mitsammt der Zuckerdose und dem ehelichen Glückund dem Katharinenthurm und der Konstablcrwache und den vaterländischenGegenden, und ich bin dann wieder ein freier Mann, nach wie vor!"