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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Große» nur Geschäfte machen und eine gute Conjunctur benutzen will, son-dern daß er manchmal das Große, Schone, Edle unter sehr nngiinstigen Con-juncturcn druckt und wirklich sehr schlechte Geschäfte damit macht. Auf solcheWorte horchte Börne mit beiden Ohren, und sie haben ihn späterhin veran-laßt, nach Hamburg zu reisen und sich mit dem Verleger der Reiscbildcr übereine Herausgabe seiner sämmtlichcn Schriften zu verständigen.

Sobald die Verleger abgcthan sind, beginnen die wechselseitigen Compli-mcntc, zwischen zwei Schriftsteller», die sich zum ersten Male sprechen. Ichübergehe, was Börne über meine Vorzüglichkeit äußerte, und erwähne nurden leisen Tadel, den er bisweilen in den schäumenden Kelch des Lobes ein-tröpfeln ließ. Er hatte nämlich kurzvorhcr den zweiten Thcil der Nciscbildcrgelesen, und vermeinte, daß ich von Gott, welcher doch Himmel und Erdeerschaffen und so weise die Welt regiere, mit zu wenig Reverenz, hingegen vondem Napoleon, welcher doch nur ein sterblicher Despot gewesen, mit übertrie-bener Ehrfurcht gesprochen habe. Der Dcist und Liberale trat mir also schonmerkbar entgegen. Er schien den Napoleon wenig zu lieben, obgleich er dochunbewußt den größten Rcspcct vor ihm in der Seele trug. Es verdroß ihn,daß die Fürsten sein Standbild von der Vendomcsänle so ungroßmüthig Her-abgerissen.

Ach! rief er, mit einem bittern Seufzer: Ihr konntet dort seine Statuegetrost stehen lassen; Ihr brauchtet nur ein Plakat mit der Inschrift:fg.Brllmaire" daran zu befestigen, und die Vendomesäulc wäre seine verdienteSchandsäule geworden! Wie liebte ich diesen Mann bis zum 18. Brümairc,noch bis zum Frieden von Campo Formio bin ich ihm zugcthan, als er aberdie Stufen des Thrones erstieg, sank er immer tiefer im Wcrthe; man konntevon ihm sagen: er ist die rothe Treppe hinaufgefallen!"

Ich habe noch diesen Morgen, setzte Börne hinzu, ihn bewundert, als ichin diesem Buche, das hier ans meinem Tische liegt er zeigte auf ThiersRevolutionsgcschichtc, die vortreffliche Anekdote las, wie Napoleon zu Udinceine Entrevuc mit Kobentzcl hat, und im Eifer des Gesprächs das Porzelanzerschlägt, das Kobcutzcl einst von der Kaiserin Catharina erhalten, und gewißsehr liebte. Dieses zerschlagene Porzelan hat vielleicht den Frieden von CampoFormio herbeigeführt. Der Kobentzcl dachte gewiß: mein Kaiser hat so vielPorzelan, und das giebt ein Unglück, wenn der Kerl nach Wien käme und garzu feurig in Eifer gericthe: das beste ist, wir machen mit ihm Friede. Wahr-scheinlich in jener Stunde, als zu Udinc das Porzclanscrvicc von Kobentzcl zuBoden purzelte und in lauter Scherben zerbrach, zitterte zu Wien alles Por-zelan, und nicht blos die Kaffeekannen und Tassen, sondern auch die chinesischenPagoden, sie nickten mit den Köpfen vielleicht hastiger als je, und der Friedewurde ratificirt. In Bildcrläden sieht man den Napoleon gewöhnlich, wie er