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hatte ich mir bestimmt vorgenommen, dem Doctor Borne in seiner Behausungmeinen Besuch abzustatten. Dieses gelang mir, aber nicht ohne vieles Um-hcrfragcn und Fchlsuchcn; überall wo ich mich nach ihm erkundigte, sah manmich ganz befremdlich an, und man schien in seinem Wohnorte ihn entwederwenig zn kennen, oder sich noch weniger um ihn zu bekümmern. Sonderbar!Hören wir in der Ferne von einer Stadt, wo dieser oder jener große Mannlebt, unwillkllhrlich denken wir uns ihn als den Mittelpunkt der Stadt, derenDächer sogar von seinem Ruhme bestrahlt würden. Wie wundern wir unsnun, wenn wir in der Stadt selbst anlangen und den großen Mann wirklichdarin aufsuchen wollen und ihn erst lange erfragen müssen, bis wir ihn unterder großen Menge herausfinden! So sieht der Reisende schon in weitesterFerne den hohen Dom einer Stadt; gelangt er aber in ihr Weichbild selbst,so verschwindet derselbe wieder seinen Blicken, und erst hin- und hcrwandcrnd,durch viele krumme und enge Sträßchen kommt der große Thurmbau wiederzum Vorschein, in der Nähe von gewöhnlichen Häusern und Boutikcn, die ihnschier verborgen halten.
Als ich bei einem kleinen Brillenhändler nach Börne frug, antwortete ermir mit pfiffig wiegendem Köpfchen: wo der Doctor Börne wohnt, weiß ichnicht, aber Madame Wohl wohnt auf dem Wollgraben. Eine alte rothhaa-rigc Magd, die ich ebenfalls ansprach, gab mir endlich die erwünschte Aus-kunft, indem sie vcrgullgt lachend hinzusetzte! ich diene ja bei der Mutter vonMadame Wohl.
Ich hatte Mühe, den Manu wieder zu erkennen, dessen früheres Aussehenmir noch lebhaft im Gedächtnisse schwebte. Keine Spur mehr von vornehmerUnzufriedenheit und stolzer Verdllsterung. Ich sah jetzt ein zufriedenes Männ-chen, sehr schmächtig, aber nicht krank, ein kleines Köpfchen mit schwarzenglatten Härchen, auf den Wangen sogar ein Stück Röthe, die lichtbraunenAugen sehr munter, Gemüthlichkeit in jedem Blick, in jeder Bewegung, auchim Tone. Dabei trug er ein gestricktes Kamisölchcn von grauer Wolle, wel-ches eng anliegend wie ein Ringcnpanzcr, ihm ein drollig mährchenhafteSAnsehen gab. Er empfing mich mit Herzlichkeit und Liebe; csvergingenkeine drei Minuten und wir gericthcn ins vertraulichste Gespräch. Wovonwir zuerst redeten? Wenn Köchinnen zusammen kommen, sprechen sie vonihrer Herrschaft, und wenn deutsche Schriftsteller zusammen kommen, sprechensie von ihren Verlegern. Unsere Conversation begann daher mit Cotta undCampe, und als ich, nach einigen gebräuchlichen Klagen, die guten Eigenschaf-ten des letzteren eingestand, vertraute mir Börne, daß er mit einer Herausgabcseiner sämmtlichen Schriften schwanger gehe, und für dieses Unternehmen sichden Campe merken wolle. Ich konnte nämlich von Julius Campe versichern,daß er kein gewöhnlicher Buchhändler sei, der mit dem Edlen, Schönen,