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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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rcr sein soll, als jener AmcnophcS, unter dessen Regierung die Kinder Israeldas Land Aegypten verlassen haben. Ader Spontini brach am Ende seinSchweigen, und sprach folgendermaßen:Unseliger Pharao! du bist an mei-nem Unglück schuld. Ließest du die Kinder Israel nicht aus dem Lande Ae-gypten fortziehen, oder hättest du sie sammtlich im Nil ersäufen lassen, sowäre ich nicht durch Meyerbccr und Mendelssohn aus Berlin verdrängt wor-den, und ich dirigirte dort noch immer die große Oper und die Hofconccrte.Unseliger Pharao, schwacher Krokodilcnkönig, durch deine halben Maßregelngeschah cS, daß ich jetzt ein zu Grunde gerichteter Mann bin und Mosesund Halcvy und Mendelssohn und Meyerbccr haben gesiegt!" Solche Re-den hält der unglückliche Mann, und wir können ihm unser Mitleid nichtversagen.

Was Meyerbccr betrifft, so wird, wie oben angedeutet, sein Prophet nochlange Zeit ausbleiben. Er selbst aber wird nicht, wie die Zeitungen jüngstmeldeten, für immer in Berlin seinen Aufenthalt nehmen. Er wird wiebisher abwechselnd die eine Hälfte des Jahres hier in Paris nnd die andere inBerlin zubringen, wozu er sich förmlich verpflichtet hat. Seine Lage erinnertso ziemlich an Proscrpina, nur daß der arme Maestro hier wie dort seine Hölleund seine Höllcnqual findet. Wir erwarten ihn noch diesen Sommer hier,in der schönen Unterwelt, wo schon einige Schock musikalischer Teufel undTeufclinncn seiner harren, um ihm die Ohren voll zu heulen. Von Mor-gens bis Abends muß er Sänger nnd Sängerinnen anhören, die hier debü-tircn wollen, und in seinen Freistunden beschäftigen ihn die Albums reisenderEngländerinnen.

An Debütanten war diesen Winter in der großen Oper kein Mangel. Eindeutscher Landsmann dcbütirtc als Marcel in den Hugenotten. Er warvielleicht in Deutschland nur ein Grobian mit einer brummigen Bierstimme,nnd glaubte deßhalb in Paris als Bassist auftreten zu können. Der Kerl schriewie ein Waldescl. Auch eine Dame, die ich im Verdacht habe, eine Deutschezu sein, producirtc sich auf den Brettern der Nue Lepellctier. Sie soll außer-ordentlich tugendhaft sein, und singt sehr fälsch. Man behauptet, nicht blosder Gesang, sondern alles an ihr, die Haare, zwei Drittel ihrer Zähne, dieHüften, der Hinterthcil, Alles sei falsch, nur ihr Athem sei echt; die frivolenFranzosen werden dadurch gezwungen sein, sich chrfuchtsvoll von ihr entferntzu halten. Unsere Prima-Donna, Madame Stolz, wird sich nicht längerbehaupten können; der Boden ist unterminirt, und obgleich ihr als Weib alleGeschlcchtslist zu Gebote steht, wird sie doch am Ende von dem großen Gia-como Machiavelli überwunden, der die Viardot-Garcia an ihrer Stelle enga-girt sehen möchte, um die Hauptrolle in seinem Propheten zu singen. Ma-dame Stolz sieht ihr Schicksal voraus, sie ahnt, daß selbst die Affenliebe, die