Druckschrift 
6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
442
Einzelbild herunterladen
 

442

ward geboren zu Frankfurt, wo ich, bei meiner letzten Durchreise, sein väter-liches HauS sah; eS ist genanntzum grünen Frosch," und das Abbild einesFrosches ist über der HauSthüre zu sehen. Hillcrs Compositioncn erinnernaber nie an solch' unmusikalische Bestie, sondern nur an Nachtigallen, Lerchenund sonstiges Frühlingsgevögel.

An conccrtgcbenden Pianisten hat es auch dieses Jahr nicht gefehlt. Na-mentlich die Ideen des Merzen waren in dieser Beziehung sehr bedenklicheTage. Das alles klimpert drauf los und will gehört sein, und sei cS auchnur zum Schein, um jenseits der Barriöre von Paris sich als große Cclcbritätgcbcrden zu dürfen. Den erbettelten oder erschlichenen Fetzen Fcuillctonlobwissen die Kunstjüngcr, zumal in Deutschland, gehörig auszubeuten, und inden dortigen Rcclamen heißt cS dann, das berühmte Genie, der große RudolphW. sei angekommen, der Nebenbuhler von Liszt und Thalberg, der Clavier-hcroS, der in Paris so großes Aufsehen erregt habe und sogar von dem KritikerJules Janin gelobt worden. Hosianna! Wer nun eine solche arme Fliegezufällig in Paris gesehen hat, und überhaupt weiß, wie wenig hier von nochweit bedcutendern Personnagcn Notiz genommen wird, findet die Leichtgläubig-keit des Publicums sehr ergötzlich, und die plumpe Unverschämtheit der Vir-tuosen sehr ekelhaft. Das Gebrechen aber liegt tiefer, nämlich in dem Zustandunsrcr Tagcspresse, und dieser ist wieder nur ein Ergebniß fatalerer Zustände.Ich muß immer darauf zurückkommen, daß es nur drei Pianisten giebt, dieeine ernste Beachtung verdienen, nämlich: Chopin, der holdselige Tondichter,der aber leider auch diesen Winter sehr krank und wenig sichtbar war; dannThalbcrg, der musikalische Gentleman, der am Ende gar nicht nöthig hätte,Clavicr zu spielen, um überall als eine schöne Erscheinung begrüßt zu werden,und der sein Talent auch wirklich nur als eine Apanage zu betrachten scheint;und dann unser Liszt, der trotz aller Verkehrtheiten und verletzenden Eckendennoch unser theurer Liszt bleibt, und in diesem Augenblick wieder die schöneWelt von Paris in Aufregung gesetzt. Ja, er ist hier, der große Agitator,unser Franz Liszt, der irrende Ritter aller möglichen Orden, (mit Ausnahmeder französischen Ehrenlegion, die Ludwig Philipp keinem Virtuosen gebenwill); er ist hier der hohenzollern-hechingensche Hofrath, der Doctor der Phi-losophie und Wunderdoctor der Musik, der wieder auferstandene Rattenfängervon Hameln, der neue Faust, dem immer ein Pudel in der Gestalt Belloni'sfolgt, der geadelte und dennoch edle Franz Liszt! Er ist hier, der moderneAmphion, der mit den Tönen seines Saitenspicls beim CLlncr Dombau dieSteine in Bewegung setzte, daß sie sich zusammenfügten, wie einst die Mauernvon Theben! Er ist hier, der moderne Homer, den Deutschland, Ungarn undFrankreich, die drei größten Länder, als Landeskind rcclamircn, während derSänger der Jliaö nur von sieben kleinen Provinzialstädtcn in Anspruch gc-