hinaufgetragen ward, eilte der junge Fürst ihnen voraus, um auf der Koppeeine Weile einsam und ungestört jene kolossalen Natnrschönhcitcn zu betrach-ten, die unsere Seele so idcalich emporheben aus der Niedern Wcrkcltagswclt.Als jedoch der Prinz auf die Spitze des Berges gelangte, erblickte er dort stcif-aufgepflanzt — drei Gendarmen! Nun gicbt cS aber wahrlich nichts auf derWelt, was ernüchternder und abkühlender wirken mag, als das positive Gc-setztasclgcsicht eines Gendarmen und das schauderhafte Citronengclb seinesBandclicrS. Alle schwärmerischen Gefühle werden uns da gleichsam in derBrust arrctirt, an noin ckv In loi. Ich mußte wehmüthig lachen, als manmir erzählte, wie dämisch verdrießlich der NemourS ausgesehen, als er be-merkte, welche Sllrprise der servile Diensteifer des Präsecten ihm auf demGipfel des Pic du Midi bereitet hatte.
Hier in Bardgcs wird es täglich langweiliger. Das Unleidliche ist eigent-lich nicht der Mangel an gesellschaftlichen Zerstreuungen, sondern vielmehr,daß man auch die Vorthcilc der Einsamkeit entbehrt, indem hier beständig einSchreien und Lärmen, das kein stilles Hinträumen erlaubt, und nnS jedenAugenblick aus nnscrn Gedanken aufschreckt. Ein grelles, ncrvcnzcrrcißcndeöKnallen mit der Peitsche, die hiesige Nationalmnsik, hört man vom frühestenMorgen bis spät in die Nacht. Wenn mm gar das schlechte Wetter eintrittund die Berge schlaftrunken ihre Nebelkappen über die Ohren ziehen, danndehnen sich hier die Stunden zu cnttüuantcn Ewigkeiten. Die leibhaftigeGöttin der Langeweile, das Haupt gehüllt in eine bleierne Kapuze und Klop-stocks Mcssiadc in der Hand, wandelt dann durch die Straße von Barbgcs,und wen sie angähnt, dem versickert im Herzen der letzte Tropfen Lebensmut!)!ES geht so weit, daß ich ans Verzweiflung die Gesellschaft nnsers Gönners,des englischen Parlamcntsglicdes, nicht mehr zu vermeiden suche. Er zolltnoch immer die gerechteste Anerkennung unfern Haustugcndcn und sittliche»Vorzügen. Doch will cS mich bcdünkcn, als liebe er uns weniger enthusiastisch,seitdem ich in nnsern Gesprächen die Acußcrnng fallen ließ, daß die Deutschenjetzt ein großes Gelüste empfänden nach dem Besitz einer Marine, daß wir zuallen Schiffen unserer künftigen Flotte schon die Namen ersonnen, daß diePatrioten in den Zwangsprptanccn, statt der bisherigen Wolle, jetzt nur Lin-nen zu Scgcltüchcrn spinnen wollen, und daß die Eichen im TeutoburgerWalde, die seit der Niederlage des Varns geschlafen, endlich erwacht seien undsich zu freiwilligen Mastbäumcn erboten haben. Dem edlen Briten mißfielsehr diese Mittheilung, und er meinte: wir Deutschen thäten besser, wenn wirden Ausbau des Cölner Doms, des großen Glaubenswcrks unsrerVäter, mitunzcrsplitterten Kräften betrieben.
Jedesmal wenn ich mit Engländern über meine Hcimath rede, bemerke ichmit tiefster Beschämung, daß der Haß, den sie gegen die Franzosen hegen, für