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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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tel, wodurch die gute Absicht erreicht werden soll. Auch halten wir sie fürFrankreich ganz ungeeignet. In diesem Lande der Sociabilität Ware die Ab-sperrung in Zellen, die pcnusylvanische Methode, eine unerhörte Grausamkeit,und das französische Volk ist zu großmnthig, als daß es je um solchen Preisseine gesellschaftliche Ruhe erkaufen möchte. Ich bin daher überzeugt, selbstnachdem die Kammern eingewilligt, kommt das entsetzliche unmenschliche, jaunnatürliche Ccllulargcfäugnißwescn nicht in Ausführung, und die dielenMillionen, welche die nöthigcn Bauten kosten, sind gottlob verlorenes Geld.Diese Burgverlicßc des neuen BürgcrittcrthumS wird das Volk eben so un-willig niederreißen, wie cS einst die adelige Bastille zerstörte. So furchtbar unddüster dieselbe von Außen gewesen sein mochte, so war sie doch gewiß nur einheiteres KioSk, ein sonniges Gartenhaus, im Vergleich mit jenen kleinen,schweigenden amerikanischen Höllen, die nur ein blödsinniger Pietist ersinnen,und nur ein herzloser Kreimer, der für sein Eigcnthum zittert, billigen konnte.Der gute fromme Bürger soll hinfüro ruhiger schlafen können das will dieRegierung mit löblichem Eifer bewirken. Aber warum sollen sie nicht etwasweniger schlafen? Bessere Leute müssen jetzt wachend die Nachte verbringen.Und dann, haben sie nicht den lieben Gott, um sie zu schützen, sie, die from-men? Oder zweifeln sie an diesem Schutz, sie, die frommen?

Alls den Pyrenäen.

1.

Bardgcs, den 26. Juli 1A6.

Seit Menschengedenken gab es kein solches Zuströmen nach den Heilquellenvon Bardges, wie dieses Jahr. Das kleine Dorf, das aus etwa sechzig Häusernund einigen Dutzend Nothbaracken besteht, kann die kranke Menge nicht mehrfassen; Spätkömmlingc fanden kaum ein kümmerliches Obdach für eine Nacht,und mußten leidend umkehren. Die meisten Gäste sind französische Militairs,die in Afrika sehr viele Lorbeeren, Lanzenstiche und Rheumatismen eingeern-tet haben. Einige alte Offlcierc aus der Kaiscrzeit keuchen hier ebenfalls um-her, und suchen in der Badewanne die glorreichen Erinnerungen zu vergessen,die sie bei jedem Witterungswechsel so verdrießlich jucken. Auch ein deutscherDichter befindet sich hier, der manches auSzubadcn haben mag, aber bis jetztkeineswegs seines Verstandes verlustig und noch viel weniger in ein Irrenhauseingesperrt worden ist, wie ein Berliner Correspondcut in der hochlöblichcnLeipziger Allgemeinen Zeitung berichtet hat. Freilich, wir können uns irren,Heine. VI. 87