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gewissen frostigen Glanz, wie geschnittenes Eis. Was Herrn Tocqucvillejedoch an Gemllth fehlt, das hat sein Freund, Mr. de Beaumont, in liebreich-ster Fülle, und diese beiden Unzertrennliche», die wir immer gepaart sehe», ausihren Reisen, in ihren Publikationen, in der Dcputirtcnkanimer, ergänzen sichaufs beste. Der eine, der scharfe Denker, und der andere, der milde GemüthS-mensch, gehören beisammen, wie das Essigfläschchcn und das Oelfläschchen.—Aber die Opposition, wie vague, wie gehaltlos, wie schwach, wie ohnmächtigzeigte sie sich bei dieser Gelegenheit! Sie wußte nicht was sie wollte, sie mußtedas Bcdiirfniß der Reform eingestehen, konnte nichts Positives vorschlagen,war beständig im Widerspruch mit sich selber und opponirte hier, wie gewöhn-lich, aus blöder Gewohnheit des Oppositionsmctiers. Und dennoch würde sie,um lchtcrm zu genügen, leichtes Spiel gehabt haben, wenn sie sich auf dashohe Pferd der Idee gesetzt hätte, auf irgend eine gencreuse Rosinante derThcorienwclt, statt auf ebener Erde den zufälligen Lücken und Schwächen desministeriellen Systems nachzukriechen und im Detail zn chikanircn ohne dasGanze erschüttern zu können. Nicht einmal unser unvergleichlicher DonAlphonso de la Martine, der ingeniöse Junker, zeigte sich hier in seiner idealenRitterlichkeit. Und doch war die Gelegenheit günstig, und er hätte hier diehöchsten und wichtigsten Mcnschheitsfragen besprechen können, mit olpmp-crschüttcrndcn Worten; er konnte hier feuerspeiende Berge reden und miteinem Occan von WeltuntcrgangSpocsie die Kammer überschwemmen. Abernein, der edle Hidalgo war hier ganz entblößt von seinem schönen Wahnsinnund sprach so vernünftig wie die nüchternsten seiner Collegen.
Ja, mir auf dem Felde der Idee hätte die Opposition, wo nicht sich behaup-ten, doch wenigstens glänzen können. Bei solcher Gelegenheit hätte einedeutsche Opposition ihre gelehrtesten Lorbeeren erfochten. Denn die Gefäng-nißstrafe ist ja enthalten in jener allgemeinen Frage über die Bedeutung derStrafe überhaupt, und hier treten uns die großen Theorien entgegen, die wirheute nur in flüchtigster Kürze erwähnen wollen, um für die Würdigung desneuen Gefängnißgcsctzcs einen deutschen Standpunkt zu gewinnen.
Wir sehen hier zunächst die sogenannte Vcrgcltungstheoric, das alte harteGesetz der Urzeit, jenes Jus Talionis, das wir noch bei dem alttestamcntali-schen Moses in schauerlichster Naivetät vorfinden: Leben um Leben, Auge umAuge, Zahn um Zahn. Mit dem Martyrtode des großen Versöhners fandauch diese Idee der Sühne ihren Abschluß, und wir können behaupten, dermilde Christus habe dem antiken Gesetze auch hier persönlich Genüge gethanund dasselbe auch für die übrige Menschheit aufgehoben. Sonderbar! wäh-rend hier die Religion im Fortschritt erscheint, ist es die Philosophie, welchestationair geblieben, und die Strasrechtstheorie unserer Philosophen von Kantbis auf Hegel ist trotz aller Verschiedenheit des Ausdrucks noch immer das alte