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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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der, hohle Schrcckpopanzc, modemer Aberglaube. Oder ist es eine bloßeKriegslist, daß mau die Gegner der Universität für Jesuiten erklärt? Es gicbtin der That hier zu Lande keinen Namen, der weniger populair wäre. Manhat im vorigen Jahrhundert gegen diesen Orden so gründlich polemisirt, daßnoch eine geraume Zeit vergehen dürfte, che man ein mildes, unparteiischesUrthcil über ihn fällen wird. ES will mich bcdünkcn, als habe man dieJesuiten nicht selten ein Bischen jesuitisch behandelt, und als seien die Ver-leumdungen, die sie sich zu Schulden kommen ließen, ihnen manchmal mit zugroßen Zinsen zurückgezahlt worden. Man könnte auf die Väter der Gesell-schaft Jesu das Wort anwenden, welches Napoleon über Nobespierre aus-sprach: Sie sind hingerichtet worden, nicht gerichtet. Aber der Tag wirdkommen, wo man auch ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen und ihre Ver-dienste anerkennen wird. Schon jcßt müssen wir eingestehen, daß sie durchihre Missionsau stalten die Gesittung der Welt, die Civilisation unberechenbargefördert, daß sie ein heilsames Gegengift gewesen gegen die lcbrnverpcsteudcnMiasmen von Port-Nopal, daß sogar ihre viclgcscholtcnc AccomodationSlchrenoch das einzige Mittel war, wodurch die Kirche über die moderne, srcihcits-lustige und genußsüchtige Menschheit ihre Oberherrschaft bewahren konnte,blangs- NN boeuk st soxee olrrstien, sagten die Jesuiten zu dem Bcichtkinde,dem in der Charwoche nach einem Stückchen Rindfleisch gelüstete; aber ihreNachgiebigkeit lag nur in der Noth des Momentes, und sie hätten später, sobald ihre Macht befestigt, die fleischfressenden Völker wieder zu den magerstenFastenspciscn znrückgelcnkt. Laxe Doctrinen für die empörte Gegenwart,eiserne Ketten für die unterjochte Zukunft. Sic waren so klug!

Aber alle Klugheit hilft nichts gegen den Tod. Sic liegen längst im Grabe.Es giebt freilich Leute in schwarzen Mänteln und mit Ungeheuern, dreieckigaufgekrämptcn Filzhütcn, aber das sind keine echten Jesuiten. Wie manchmalein zahmes Schaf sich in ein WolfSscll des Radikalismus vermummt, ausEitelkeit, oder Eigennuß, oder Schabernack, so steckt im Fuchspelz des JesuitiS-mus manchmal nur ein beschränktes Grauchen. Ja, sie sind todt. DieVäter der Gesellschaft Jesu haben in den Sacristcicn nur ihre Garderobezurückgelassen, nicht ihren Geist. Dieser spukt an andern Orten, und mancheChampions der Universität, die ihn so eifrig erorcircn, sind vielleicht davonbesessen, ohne es zu merken. Ich sage dieses nicht in Bezug ans die HerrenMichelct und Quinct, die ehrlichsten und wahrhaftigsten Seelen, sondern ichhabe hier im Auge zunächst den wohlbestallten Minister des öffentlichen Unter-richts, den Rcctor der Universität, den Herrn Villcmain. Seiner Magnificcnzzweideutiges Treiben berührt mich immer widerwärtig. Ich kann leider nurdem Esprit und dem Stile dieses Mannes meine Achtung zollen. Nebenbeigesagt, wir sehen hier, daß der berühmte Ausspruch von Busfon: "Is stxle,

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