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Tactik, wo der Zweck die Mittel heiligt. So wird Cousin von zwei entgegen-gesetzten Seiten angegriffen, und während die ganze Glaubcnsarmcc mitfliegenden Kreuzfahncn, unter Nnsiihrung des Erzl'ischosS von Chartrcs, gegenihn vorrückt, stürmen auf ihn los auch die Sansculotten des Gedanken, braveHerzen, schwache Köpft, mit Pierre Leroux an ihrer Spitze. In diesemKampfe sind alle unsre Sicgcswünsche für Cousin; denn, wenn auch dieBcvorrcchtung der Universität ihre Uebclständc hat, so verhindert sie doch, daßder ganze Unterricht in die Hände jener Leute fällt, die immer mit unerbitt-licher Grausamkeit die Männer der Wissenschaft und des Fortschrittes verfolg-ten, und so lange Cousin in der Sorbonne wohnt, wird wenigstens dort nichtwie ehemals der Scheiterhaufen als letztes Argument, als ultima, ratio, inder Tagespolitik angewendet werden. Ja, er wohnt dort als Gonfalonicre derGedankenfreiheit, und das Banner derselben weht über dem sonst so verrufe-nen Obscnrantcnncste der Sorbonne. Was uns für Cousin noch besondersstimmt, ist die liebreiche Pcrfidie, womit man die Beschuldigungen des PierreLeroux auszubeuten wußte. Die Arglist hatte sich diesmal hinter die Tugendversteckt, und Cousin wird wegen einer Handlung angeklagt, für die, hätte ersie wirklich begangen, ihm nur Lob, volles orthodoxes Lob von der clericalenPartei gespendet werden müßte: Jansenistcn ebensowohl wie Jesuiten predig-ten ja immer den Grundsatz, daß man um jeden Preis das öffentliche Aerger-niß zu verhindern suche. Nur das öffentliche Aergcrniß sei die Sünde, undnur diese solle man vermeiden, sagte gar salbungsvoll der fromme Mann, denMolidre kanonisiri hat. Aber nein, Cousin darf sich keiner so erbaulichen Thatrühmen, wie man sie ihm zuschreibt; dergleichen liegt vielmehr im Charakterseiner Gegner, die von jeher, um den Scandal zu hintertreiben oder schwacheSeelen vor Zweifel zu bewahren, es nicht verschmähten, Bücher zu verstüm-meln, oder ganz umzuändern, oder zu vernichten, oder ganz neue Schriftenunter erborgten Namen zu schmieden, so daß die kostbarsten Denkmale undUrkunden der Vorzeit theils gänzlich untergegangen, theilS verfälscht sind.Nein, der heilige Eifer des Bllchercastrirens und gar der fromme Betrug derInterpolationen gehört nicht zu den Gewohnheiten der Philosophen.
Und Victor Cousin ist ein Philosoph, in der ganzen deutschen Bedeutungdes Wortes. Pierre Leroux ist es nur im Sinne der Franzosen, die unterPhilosophie vielmehr allgemeine Untersuchungen über gesellschaftliche Fragenverstehen. In der That, Victor Cousin ist ein deutscher Philosoph, der sichmehr mit dem menschlichen Geiste, als mit den Bedürfnissen der Menschheitbeschäftigt, und durch das Nachdenken über das große Ego in einen gewissenEgoismus gerathcn. Die Liebhaberei für den Gedanken an und für sich ab-sorbirte bei ihm alle Seclenkräfte, aber der Gedanke selbst intercssirte ihn zu-nächst wegen der schönen Form, und in der Methaphpsik ergötzte ihn am Ende