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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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daß seine Seele nicht glühte, aber cS war eine Gluth ohne Flamme, ohne Ge-prassel, ohne Spcctakcl.

Trotz dem schcinloscn Leben des Mannes wußte Mignct doch Interesse fürdiesen stillen Helden zn erregen, und da dieser das höchste Lob verdiente, konntees ihm auch in reichem Maße gezollt werden. Aber wäre auch Daunon kei-neswegs ein so rühmcnswcrthcr Mensch gewesen, hätte er gar zu jenen charak-terlosen Fröschen gehört, deren so mancher im Sumpf HMaraiö) des Convcntcssaß und schweigsam fortlebte, während die Bessern sich um den Kopf sprachen,ja er hätte sogar ein Lump sein können, so würde ihn dennoch der Weihrauch-kcsscl des officiellcn Lobes sattsam cingeqnalmt haben. Obgleich Mignct seineRedenUrLoks llistori<zuos nennt, so sind sie doch noch immer die alten IZIogos,und sind noch dieselben Complimcnte aus der Zeit Ludwigs XIV., nur daßsie jetzt nicht mehr in gepuderten Allongepcrrückcn stecken, sondern sehr modernfrisirt sind. Und der jetzige Secrctaire pcrpctuel der Ncadcmic ist einer dergrößten Friseure unsrcr Zeit, und besitzt den rechten Schick für dieses edle Ge-werbe. Selbst wenn an einem Menschen kein cinzigs gutes Haar ist, weiß erihm doch einige Löckchcn des Lobes anzukräuscln und den Kahlkops unter demToupct der Phrase zu verbergen. Wie glücklich sind doch diese französischenAcadcmikcr! Da sitzen sie im süßesten Seelenfrieden auf ihren sichern Bän-ken, und sie können ruhig sterben, denn sie wissen, wie bedenklich auch ihreHandlungen gewesen, so wird sie doch der gute Mignct nach ihrem Tode rüh-men und preisen. Unter den Palmen seines Wortes, die ewig grün wie dieseiner Uniform, eingelullt von dem Gcplätscher der oratorischen Anithcscn,lagern sie hier in der Acadcmie wie in einer kühlen Oase. Die Karawane derMenschheit aber schreitet ihnen zuweilen vorüber, ohne daß sie es merkten, oderetwas anders vernahmen als das Geklingel der Kameclc.