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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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Gestalt. Ein liebe?, ehrliche?, wchmüthigcs Gesicht. Grauer, schlottrigerOberrock, de» Jung-Stilling genäht zu haben scheint. Stiesel, die vielleichteinst Jakob Böhm besohlte.

Quinct hat lange Zeit jenseits des Rheines gelebt, namentlich in Heidelberg,wo er studirtc und sich täglich in Cre»zers Symbolik berauschte. Er durch-wanderte ganz Deutschland zu Fuß, besah alle unsere gothischcn Ruinen undschmollirte dort mit den ausgezeichnetsten Gespenstern. Im tentoburger Walde,wo Hermann den Varus schlug, hat er westphälischcn Schinken mit Pumper-nickel gegessen; auf dem Sonncnstcin gab er seine Karte ab. Ob er auch zuMölln Eulcnspiegcls Grab besuchte, kann ich nicht behaupte». Was ich aberganz bestimmt weiß, das ist: es gibt jetzt in der ganzen Welt keine drei Dich-ter, die so viel Phantasie, Jdecnreichthum und Genialität besitzen wie EdgarQuinet.

61.

Paris, 21. Juni 1813.

Alle Jahre besuche ich regelmäßig die feierliche Sitzung in der Rotunde desPalais Mazarin, wo man sich stundenlang vorher einfinden muß um Platz zufinden, unter der Elite der Geistcsaristokratie, wozu glücklicherweise die schön-sten Damen gehören. Nach langem Warten kommen endlich durch eine Sei»tcnthiir die Herren Acadcmikcr, die Mehrzahl aus Leuten bestehend, die sehralt oder wenigstens nicht sehr gesund sind; Schönheit darf hier nicht gesuchtwerden. Sie setzen sich auf ihre langen, harten Holzbänkc; man spricht zwarvon den Fantcuils der Acadcmie, aber diese cxistircn nicht in der Wirklichkeitund sind nur eine Fiction. Die Sitzung beginnt mit einer langen, langwei-ligen Rede über die Jahreszeiten und die eingegangenen Prcisschriftcn, die dertemporäre Präsident zu halten Pflegt. Hierauf erhebt sich der Secrctair, derpcrpctuelle, dessen Amt ein ewiges ist, wie das Königthum. Die Sccrctaircder Ncadcmic und Ludwig Philipp sind Personen, die nicht durch Ministcr-und Kammerlaune abgesetzt werden können. Leider ist Ludwig Philipp schonhochbejahrt, und wir wissen noch nicht, ob sein Nachfolger uns mit gleichemTalent die schöne Fricdcnsruhe erhalten wird. Aber Mignct ist noch jung,oder, was noch besser, er ist der TypuS der Jugendlichkeit selbst, er bleibt ver-schont von der Hand der Zeit, die uns andern die Haare weiß färbt, wo nichtgar ausrauft, und die Stirnc so häßlich fältelt: der schöne Mignet trägt nochseine goldlockichtc Frisur wie vor zwölf Jahren, und sein Antlitz ist noch immerblühend wie das der Olympier. Sobald der Pcrpetucllc auf die Rcdncr-bühne getreten, nimmt er seine Lorgnette und beäugelt das Publicum.