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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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nur dunkel empfindet und ahndet, und der sich endlich in ei» grämliches Still-schweigen versenkt. Da wir wirklich nicht recht wissen was wir sagen sollen,da wir an dem alten Meister irre geworden, so dürfte es wohl am rathsamstensein, von andern Dingen zu schwatzen als von der Tagespolitik im gelang-weilten, schläfrigen und gähnenden Frankreich. Nur über das Verfahrengegen Edgar Quinct wollen wir noch unsere unmaßgcdliche Rüge aussprechen.Wie den Michclet, hätte man auch den Edgar Quinct nicht so schnöde reizendürfen, daß auch dieser jetzt, ganz seinem innersten Naturell zuwider, getrie-ben ward, das Christkind mit stimmt dem Bade auszuschütten und in dieReihen jener Cohortcn zu treten, welche die äußerste Linke der revolutionärenArmada bilden. Spiritualistcn sind alles fähig, wenn man sie rasend macht,und sie können alsdann sogar in den nüchtern vernünftigsten Rationalismusüberschnappen. Wer weiß, ob nicht Michclet und Quinet am Ende die cras-scstcn Jakobiner werden, die tollsten Vernunftanbctcr, fanatische Nachfrcvlcrvon Robcspicrrc und Marat.

Michclet und Quinet sind nicht blos gute Cameraden, getreue Waffenbrü-der, sondern auch wahlverwandte Geistesgcnosscn. Dieselben Sympathien,dieselben Antipathien. Nur ist das Gemllth des einen weicher, ich möchtesagen indischer; der andere hat hingegen in seinem Wesen etwas Derbes, etwasGothischcs. Michclet mahnt mich an die großblumig starkgcwürztcn Ricsen-gedichtc des Mahabharata; Quinct erinnert vielmehr an die eben so unge-heuerlichen, aber schrofferen und fclsenhaftcrcn Lieder der Edda. Quinct isteine nordische Natur, mau kann sagen eine deutsche, sie hat ganz den deutschenCharakter, im guten wie im üblen Sinne; Deutschlands Odem weht in allenseinen Schriften. Wenn ich den Ahasvcr oder andre Quinct'sche Poesienlese, wird mir ganz heimathlich zu Muthc, ich glaube die vaterländischen Nach-tigallen zu vernehmen, ich rieche den Duft der Gclbveiglein, wohlbekannteGlockcntöne summen mir ums Haupt, auch die wohlbekannten Schellenkappenhöre ich klingeln: deutschen Ticfsinn, deutschen Dcnkcrschmerz, deutsche Ge°müthlichkcit, deutsche Maikäfer, mitunter sogar ein Bischen deutsche Lange-weile finde ich in den Schriften unseres Edgar Quinct. Ja, er ist der unsrigc,er ist ein Deutscher, eine gute deutsche Haut, obgleich er sich in jüngster Zeitals ein wüthcnder Gcrmancnfrcsscr gcbcrdcte. Die rauhe, etwas täppischeWeise, womit er in derRevue des deux Mondes" gegen uns loszog, warnichts weniger als französisch, und eben an dem tüchtigen Faustschlag nud derechten Grobheit erkannten wir den Landsmann. Edgar ist ganz ein Deutscher,nicht blos dem Geiste, sondern auch der äußern Erscheinung nach, und werihm auf den Straßen von Paris begegnet, hält ihn gewiß für irgend einenHalle'schcn Theologen, der eben durchs Examen gefallen, und um sich zu er-holen nach Frankreich gedämmert. Eine kräftige, vierschrötige, ungekämmte