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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Befugnisse» der Universität in Collision gcrnthen. Um die Oberaufsicht desvom Staat orgauisirtcn liberalen Unterrichts zu vernichten, suchte man diercvolutionairen Antipathien gegen Privilegien jeder Art ins Interesse zu ziehen,und die Männer, welche, gelangten sie zur Herrschaft, nicht einmal die Freiheitdes Denkens erlauben würden, schwärmen seht mit begeisterten Phrasen fürLehrsreihcit, und klagen über GcisteSmonvpol. Der Kamps mit der Universi-tät war also kein zufälliges Scharmützel, und mußte früh oder spät ausbrechen ;der Widerstand war ebenfalls ein Act der Nothwcndigkcit, und obgleich widerWillen und Lust, mußte dennoch die Universität den Fehdehandschuh aufneh-men. Aber selbst den gemäßigtsten stieg bald das kochende Blut der Leiden-schaft zu Häuptcn, und es war Michelct, der weiche, Mondschein sanfte Michclct,welcher plötzlich wild wurde und im öffentlichen Auditorium des Collcgc-de-Frauce die Worte ausrief:Um Euch fortzujagen, haben wir eine Dynastiegestürzt, und ist es nöthig, so werden wir noch sechs Dynastien umstürzen, umEuch fortzujagen!" Daß eben Menschen wie Michelet und sein wahlver-wandtcr Freund Edgar Quinet als die heftigsten Kämpen aufgetreten gegendie Clcrisci, ist eine merkwürdige Erscheinung, die ich mir nie träumen ließ,als ich zuerst die Schriften dieser Männer las, Schriften, die auf jeder SeiteZcugniß geben von tiefster Sympathie für das Christenthum. Ich erinneremich einer rührenden Stelle der französischen Geschichte von Michelel, wo derVerfasser von der Liebcsangst spricht, die ihn ergreife, wenn er den Verfall derKirche zu besprechen habe: rS sei ihm dann zu Muthe, wie damals, als erseine alte Mutter pflegte, die auf ihrem Krankenbette sich durchgclegcn hatte,so daß er nur mit aller crsinulichen Schonung ihren wunden Leib zu berührenwagte. Es zeugt gewiß nicht von jener Klugheit, die man sonst als Jcsuitis-mus bezeichnet hat, daß man Leute wie Michclct und Quinet zum zornigstenWiderstand aufstachelte. Der Ernst mochte uns schier verlassen, indem wirdiesen Mißgriff hervorheben, zumal in Bezug auf Michclct. Dieser Michelctist ein geborncr Spiritualist, Niemand hegt einen liefern Abscheu vorder Auf-klärung des 18. Jahrhunderts, vor dem Materialismus, vor der Frivolität,vor jenen Voltairiancrn, deren Name noch immer Legion ist, und mit denener sich jetzt dennoch verbündete. Er hat sogar zur Logik seine Zuflucht nehmenmüssen! Hartes Schicksal für einen Mann, der sich nur in den Fabelwäldernder Romantik heimisch fühlt, der sich am liebste» aus mystisch blauen GcfühlS-wogcn schaukelt, und sich ungern mit Gedanken abgicbt, die nicht symbolischvermummt! Uebcr seine Sucht der Symbolik, über sein beständiges Hin-weisen auf das Symbolische, habe ich im Quartier Latin zuweilen sehr anmu-thig scherzen hören, und Michelet heißt dort Monsieur Symbole. Die Vor-herrschaft der Phantasie und des Gemüthes übt aber einen gewaltigen Reizauf die studirende Jugend, und ich habe mehrmals vergebens versucht, bei

Heine. VI. SS