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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Gefühle ergösse. Nndach! unausstehlich sind mir, wie die Metrik, so dieVerse der Franzosen, dieser parfnmirtc Quark kaum ertrage ich ihre gauzgeruchlosen besseren Dichter. Wenn ich jene sogenannte xoösio l^riquö derFranzosen betrachte, erkenne ich erst ganz die Herrlichkeit der deutschen Dicht-kunst, und ich könnte mir alsdann wohl etwas daraus einbilden, daß ich michrühmen darf, in diesem Gebiete meine Lorbeeren errungen zn haben. Wirwollen auch kein Blatt davon aufgeben, und der Steinmetz, der unsrc letzteSchlafstättc mit einer Inschrift zu verzieren hat, soll keine Einrede zn ge-wärtigen haben, wenn er dort eingräbt die Worte: Hier ruht ein deutscherDichter.

59.

Paris, den 7. Mai M3.

Die Gemäldeausstellung erregt dieses Jahr ungewöhnliches Interesse, aberes ist mir unmöglich, über die gepriesenen Vorzüglichkcitc» dieses Salons nurein halbwcg vernünftiges Nrthcil zn fällen. Bis jetzt empfand ich nnr einMißbehagen sonder Gleichen, wenn ich die Gemächer des Louvrc durchwan-dclte. Diese tollen Farben, die alle zu gleicher Zeit ans mich loskreischen,dieser bunte Wahnwitz, der mich von allen Seiten angrinst, diese Anarchie ingoldenen Rahmen, macht ans mich einen peinlichen, fatalen Eindruck. Ichguäle mich vergebens, dieses Chaos im Geiste zu ordnen und den Gedankender Zeit darin zn entdecken, oder auch nnr den verwandtschaftlichen Charaktcr-zug, wodurch diese Gemälde sich als Produetc nnsrcr Gegenwart kundgeben.Alle Werke einer und derselben Periode haben nämlich einen solchen Charak-terzug, das Malcrzcichcn des Zeitgeistes. Z. B. auf der Leinwand dcSWat-tcaux, oder des Bouchcr, oder des Vanloo, spiegelt sich ab das graziöse gepu-derte Schäferspiel, die geschminkte, tändelnde Leerheit, das süßliche Rcifrock-glück des herrschenden Pompadourthums! überall hellfarbig bebänderte Hir»tenstäbc, nirgends ein Schwert. In entgegengesetzter Weise sind die Gemäldedes David und seiner Schüler nur das farbige Echo der republikanischen Tu-gcndpcriode, die in den imperialistischen KricgSruhm überschlägt, und wir sehenhier eine forcirte Begeisterung für das marmorne Modell, einen abstraktenfrostigen Vcrstandcsransch, die Zeichnung corrcct, streng, schroff, die Farbetrüb, hart, unverdaulich: Spartancrsuppcn. Was wird sich aber unfernNachkommen, wenn sie einst die Gemälde der heutigen Maler betrachten, alsdie zeitliche Signatur offenbaren? Durch welche gemeinsame Eigcnthümlich-keiten werden sich diese Bilder gleich beim ersten Blick als Erzeugnisse ausnnsrer gegenwärtigen Periode ausweise» ? Hat vielleicht der Geist der Bour-