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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Grunde nur darum, welche von beiden Parteien die materiellen Vorthcile derHerrschaft erwerbe. In dieser Beziehung haben wir hier denselben Kampf,der sich jenseits des Canals, unter den Namen Whigs und Tories, seit zweiJahrhunderten hinschleppt.

Die englische constitntionelle Regicrnngsform war, wie'nniglich bekannt,das große Muster, wonach sich das jetzige französische parlamentarische Ge-meinwesen gebildet; namentlich die Doctrinairc haben dieses Vorbild bis zurPedanterie nachzuäffen gesucht, und cS wäre nicht unwahrscheinlich, daß dieallzugroße Nachgiebigkeit, womit das heutige Ministerium die Usurpationender Conscrvativen erduldet und sich von denselben ausbeuten läßt, am Endeaus einer gelehrten Gründlichkeit hervorginge, die ihr reiches, durch mühsameStudien erworbenes Wissen getreulichst documentircn möchte. Der 2g. Oc-tobcr, d. h. der Herr Professor, den die Opposition mit jenem Monatsdatumbezeichnet, kennt das Räderwerk der englischen Staatsmaschinc besser als ir-gend jemand, und wenn er glaubt, daß eine solche Maschine auch diesseits desCanals nicht anders fungircn könne, als durch die unsittlichen Mittel, in derenAnwendung Walpolc ein Meister und Robert Peel keineswegs ein Stümperwar, so ist eine solche Ansicht gewiß sehr zu beklagen, aber wir können ihr nichtmit hinlänglicher Gelehrsamkeit und Geschichtskcnntniß widersprechen. Wirmüssen sagen, die Maschine selbst taugt nichts; aber fehlt uns dieser Muth,so können wir den dirigirendcn Maschinenmeister keiner allzu herben Kritikunterwerfen. Und wozu nutzte am Ende diese Kritik? Was hülfe es, inAugsburg zu rügen, wenn an der Seine gesündigt wird? Die Oppositioneines Ausländers in ausländischen Blättern, wo es sich um Gcbreste der in-nen, Verwaltung Frankreichs handelt, wäre eine Rodomontade, die eben soungeziemend wie närrisch. Nicht die innere Administration, sondern nurActe der Politik, die auch auf unser eignes Vaterland einen Einfluß übenkönnten, soll ein Corrcspondcnt besprechen. Ich werde daher die jetzige Kor-ruption, das Bcstechungssystcm, womit meine Collegcn in deutschen Zeitungenso viele Colonncn anfüllen, weder in Frage stellen noch rechtfertigen. WaSgeht das uns an, wer in Frankreich die besten Aemtcr, die fettesten Sinccuren,die prachtvollsten Orden erschleicht oder an sich reißt? Was kümmert es uns,ob es ein Schnapphahn der Rechten oder ein Schnapphahn der Linken ist, derdie goldenen Gedärme des Budgets einsteckt? Wir haben nur dafür zu sor-gen, daß wir uns selbst in der rcspcctivcn Heimath von unfern heimischen To-nes oder Whigs durch kein Acmtchen, durch keinen Titel, durch kein Bändchcn,erkaufen lassen, wenn es gilt, für die Interessen des deutschen Volks zu redenoder zu stimmen! Warum sollen wir jetzt über den Splitter, den wir in fran-zösischen Augen bemerkt, so viel Zeter schreien, wenn wir uns über den Bal-ken in den blauen Augen unsrer deutschen Behörden entweder gar nicht oder