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sehr kleinlaut äußern dürfen? Wer könnte übrigens in Deutschland bcur-theilen, ob der Franzose, dem das französische Ministerium eine Stelle oderGunst gewährt, dieselbe verdienter- oder unvcrdicnterweise empfing? DieAcmtcrjägerci wird nicht aufhören unter einem Ministerium Thiers oder Ba-rot, wenn Guizot fällt. Kämen gar die Republikaner ans Ruder, so würdedie Corruption sich mehr im Gewände der Hypochrisic zeigen, statt daß sie sehtohne Schminke, schier naiv cynisch auftritt. Die Partei wird immer denMännern der Partei die große Schüssel vorsetzen. Einen entsetzlich grauen-haften Anblick böte uns gewiß die Stunde, „wo sich das Laster erbricht unddie Tugend zu Tische sitzt!" Mit welcher Wolfsgier würden die armen Hun-gerleider der Tugend nach der langen Fastenzeit sich über die guten Speisenhcrstürzen! Wie mancher Cato würde sich bei dieser Gelegenheit den Magenverderben! Wehe den Verräthcrn, die sich satt gegessen und sogar Rebhüh-ner und Trüffeln gegessen und Champagner getrunken während nnsrcr jetzigenZeit der Vcrdcrbniß, der Bestechung, der Guizot'schcn Corruption!
Ich will nicht untersuchen, von welcher Beschaffenheit diese sogenannteGuizot'schc Corruption ist, und welche Beklagnissc die verletzten Interessenanführen. Muß der große Puritaner wirklich seiner Selbstcrhaltung wegenzu dem anglikanischen Bcstcchungssystcm seine Zuflucht nehmen, so ist er ge-wiß sehr zu bedauern; eine Vcstalin, welche einer mnisou cke tolsranoe vor-stehen mußte, befände sich gewiß in keiner minder unpassenden Lage. Viel-leicht besticht ihn selbst der Gedanke, daß von seiner Selbstcrhaltung auch derFortbcstand des ganzen jetzigen gesellschaftlichen ZustandcS von Frankreichabhängig sei. Das Zusammbrcchcn desselben ist für ihn der Beginn allermöglichen Schrecknisse. Guizot ist der Mann des geregelten Fortschrittes,und er sieht die thcuern, blutthrucrn Erworbcnhcitcn der Revolution jetzt mehrals je gefährdet durch ein düster heranziehendes Weltgcwittcr. Er möchtegleichsam Zeit gewinnen, um die Garben der Ernte unter Dach zu bringen.In der That, die Fortdauer jener Friedcnspcriode, wo die gereiften Früchtecingeschcuert werden können, ist unser erstes Bedürfnis;. Die Saat der libe-ralen Principicn ist erst grünlich abstract emporgeschossen, und das muß erstruhig einwachsen in die concrct knorrigste Wirklichkeit. Die Freiheit, die bis-her nur hie und da Mensch geworden, muß auch in die Massen selbst, in dieuntersten Schichten der Gesellschaft, übergehen und Volk werden. Diese Volk-werdung der Freiheit, dieser gchcimnißvollc Proceß, der, wie jede Geburt, wiejede Frucht, als nothwcndigc Bedingniß Zeit und Ruhe begehrt, ist gewißnicht minder wichtig, als es jene Verkündigung der Principicn war, womitsich unsrc Vorgänger beschäftigt haben. Das Wort wird Fleisch, und dasFleisch blutet. Wir haben eine geringere Arbeit, aber größeres Leid, alsunsre Vorgänger, welche glaubten, alles sei glücklich zu Ende gebracht, nach-