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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
364
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Von den Lustspielen Duvcpricrs wollen wir heute nicht reden, sondern vonseinen politischen Broschüren, denn er hat die Thcatcrcarribre wieder verlassenund sich auf das Feld der Politik begeben, und diese neue Umwandlung ist viel-leicht nicht minder merkwürdig. Nus seiner Feder flössen die kleinen Schrif-ten, die allwöchentlich unter dem Titel "lottroa xolitignes" herauskommen.Die erste ist an den König gerichtet, die zweite an Guizot, die dritte an denHerzog von NcmonrS, die vierte an Thiers. Sic zeugen sämmtlich von vielemGeist. Es herrscht darin eine edle Gesinnung, ein lobcnSwcrthcr Widerwillegegen barbarische KricgSgelüste, eine schwärmerische Begeisterung für den Frie-den. Von der Ausbeutung der Industrie erwartet Duvcpricr das goldncZeitalter. Der Messias wird nicht auf einem Esel, sondern auf einem Dampf-wagen den segensreichen Einzug halten. Namentlich die Broschüre, die anThiers gerichtet, oder vielmehr gegen ihn gerichtet, athmct diese Gesinnung.Von der Persönlichkeit des ehemaligen Conscilpräsidcntcn spricht der Verfassermit hinlänglicher Ehrfurcht. Guizot gefällt ihm, aber Mols gefällt ihm bes-ser. Dieser Hintergedanke dämmert überall durch.

Ob er mit Recht oder mit Unrecht irgend einem von den Dreien den Vor-zug gibt, ist schwer zu bestimmen. Ich mcinestheils glaube nicht, daß einerbesser als der andre, und ich bin der Meinung, daß jeder von ihnen als Mini-ster immer dasselbe thun wird, was auch unter denselben Umständen der andrethäte. Der wahre Minister, dessen Gedanke überall zur That wird, der so-wohl gouvernirt als regiert, ist der König, Ludwig Philipp, und die erwähn-ten drei Staatsmänner unterscheiden sich nur in der Art und Weise, wie siesich mit der Vorherrschaft des königlichen Gedankens abfinden.

Herr Thiers sträubt sich im Anfang sehr barsch, macht die redseligste Oppo-sition, trompetet und trommelt, und thut doch am Ende was der König wollte.Nicht bloS seine revolutionären Gefühle, sondern auch seine staatsmännischcnUcbcrzcugungen sind im beständigen Widerspruch mit dem königlichen Epstein:er fühlt und weiß, daß dieses System auf die Länge scheitern muß, und ichkönnte die erstaunlichsten Acußcrungcn Thiers' über die UnHaltbarkeit der jetzi-gen Zustände mitthcilen. Er kennt zu gut seine Franzosen und zu gut dieGeschichte der französischen Revolution, um sich dem Quictismus der siegrei-chen Bourgeoispartei ganz hingeben zu können, und an den Maulkorb zu glau-ben, den er selbst dem tauscndköpfigcn Ungeheuer angelegt hat; sein feines Ohrhört das innerliche Knurren, er hat sogar Furcht, einst von dem entzügeltcnUngethüm zerrissen zu werden und dennoch thut er was der König will.

Mit Herrn Guizot ist es ganz anders. Für ihn ist der Sieg der Bour-geoisicpartei eine vollendete Thatsache, nn kalt -ecoowxli, und er ist mit allseinen Fähigkeiten in den Dienst dieser neuen Macht getreten, deren Herrschafter durch alle Künste des historischen und philosophischen Scharfsinns als ver-